Synode 2026
Tagung der Synode der Europäisch-Festländischen Provinz der Brüder-Unität
In der Zeit vom 27. September bis 3. Oktober 2026 tagt in Herrnhut die Synode der Europäisch-Festländischen Provinz.
Materialien hierzu sowie Bilder und Berichte werden auf dieser Seite veröffentlicht.
Die Synode 2026 Tag für Tag

Freitag, 25. September
Letzte Vorbereitungen
Die Synode naht und ist mittlerweile schon an mancher Stelle in Herrnhut sichtbar. Besonders deutlich wohl für jene Touristen, die heute Vormittag hinter die geöffneten Saaltüren lugen und Zeugen emsigen Treibens werden: Kraftvoll werden die Kirchenbänke zur Seite getragen. An ihre Stelle rücken Stühle und Tische. Alle Plätze werden verkabelt, die Übersetzerkabinen werden aufgebaut und das Synodenbüro bekommt seinen Platz auf der Empore. Und zum Schluss, wenn alles an seinem Platz ist, wird der Kirchensaal noch hier und da etwas herausgeputzt.
Flotte zwei Stunden benötigt die Gemeinde, um den Kirchen- in einen temporären Plenarsaal zu verwandeln. Etwas Zeit bleibt nun noch für die letzten technischen Details, bis morgen nach der Singstunde die Mikrofone und die Internetverbindung aller Synodalen getestet werden. Gerade letztere wird so wichtig wie seit der „Corona-Synode" 2022 nicht mehr: Die Brüdergemeine macht sich nämlich reif für digitale Rednerlisten und Abstimmungen. Doch dazu später mehr. An dieser Stelle nun erst einmal ein herzlicher Gruß vom Team der Öffentlichkeitsarbeit. Wir wollen Sie in den nächsten Tagen gerne mit Bild und Wort ins Synodengeschehen hineinnehmen.
Los geht es morgen mit einer Singstunde, die weltweit live über Youtube mitgefeiert werden kann. Eine herzliche Einladung dazu.

Samstag, 26. September
Der Ankunftstag
Um 16 Uhr öffnete die Anmeldung für die Synodenmitglieder im Gästehaus KOMENSKÝ. Eine Punktlandung setzte dabei der Reisebus aus den Niederlanden, der exakt mit dem Glockenschlag in Herrnhut einfuhr. Doch die pünktliche Ankunft hatte ihren Preis: Bereits um 5.45 Uhr, lange vor Sonnenaufgang, startete der Bus nahe Zeist. Dabei hatten die Geschwister aus den Niederlanden keineswegs die weiteste Anreise, schließlich umfasst die Europäisch-Festländische Provinz Gemeinden in insgesamt acht Ländern. Ein großer Respekt also besonders den Fernreisenden aus Skandinavien, dem Baltikum und aus Albanien!
Die Situation auf den Schienen und Straßen schien in diesem Jahr günstig: Zumindest waren zur Singstunde bereits fast alle Plätze belegt. Mit Liedern zum Bibelvers „Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe!“ (1. Korinther 16,14) wurde die Verbindung untereinander kanalisiert, aber auch mit der anwesenden Gemeinde sowie – Dank der Liveübertragung über Youtube – mit etlichen weiteren Interessierten. So traf sich etwa die Brüdergemeine Neudietendorf, um gemeinsam in den Gesang aus Herrnhut einzustimmen. Emotionales Highlight der Singstunde war der Segensvers für ein in der vergangenen Woche geborenes Kind, inklusive Applaus für die anwesenden stolzen Großeltern.
Bevor der Tag in die Erholung von den Reisestrapazen mündete, stand noch eine Dreiviertelstunde Einführung in die Konferenztechnik an. Auch eine erste Probeabstimmung zum Thema „Mitgliedergewinnung“ wurden durchgeführt. Und siehe da: 51% der Anwesenden votierten dafür, den Papst in das Chor der ledigen Brüder aufzunehmen. In den Reihen der Abstimmungsberechtigten wurde gewitzelt, dass er nun nur noch seinen Gemeinbeitrag entrichten müsse.
Ab morgen wird es sicherlich ernster: Direkt nach der Predigtversammlung wird die Synode eröffnet. Doch hoffen wir, neben konkreten Ergebnissen und Debatten auch etliche fröhliche Begegnungen dokumentieren zu können.

Sonntag, 27. September
Die Synode konstituiert sich
Der Sonntag grüßte uns mit einer herrlichen Spätsommersonne und dem gewohnt großartigen Frühstück im KOMENSKÝ. Zur Predigtversammlung rief die alte Glocke in der Ruinenmauer, der Kirchturm ist nämlich gerade eingerüstet.
Der Gottesdienst im eigentümlich eingerichteten Kirchensaal wurde von der Herrnhuter Gemeinde mit großem Kirchenchor und den Bläserinnen und Bläsern ausgesprochen feierlich ausgestattet. Als Liturgin führte Erdmute D. Frank durch die Versammlung und ließ hier und dort deutlich werden, was es bedeuten kann, als Provinz Einheit über (Sprach-)Grenzen hinweg zu zeigen. So hörten wir die Losungstexte in sechs Sprachen. Als Glaubensbekenntnis wiederum diente der Grund der Unität in Niederländisch, Englisch und Deutsch.
Gemeinschaft und Versöhnung waren Schwerpunktthemen der Predigt zu 2. Korinther 5,17-21. Aufmerksamkeit erzeugte der Prediger Friedemann Hasting gleich mit dem ersten Satz: „Hand auf’s Herz! Oder hier besser: Hände nach oben! Wer hatte schon einmal mit dem Gedanken gespielt, aus der Brüdergemeine auszutreten?“ Immerhin einige Synodale und Gemeindeglieder zeigten sich angesprochen und hoben mutig die Finger. Die Gründe für solche Gedanken mögen verschieden sein, häufig führen Ärger über Entscheidungen des Ältestenrats oder Konflikte innerhalb der Gemeinde zur erlebten Distanz. Bruder Hasting sprach den Wunsch aus, dass wir nach allen Diskussionen der kommenden Tage doch zum Abendmahl, dem Abschluss der Synode, einander in die Augen sehen und Gemeinschaft miteinander spüren können, gerade so wie Jakob zu Esau sprach: „Ich sah dein Angesicht, als sähe ich Gottes Angesicht, und du hast mich freundlich angesehen“ (1. Mose 33,10). In Jesus hat uns Gott freundlich angesehen. Durch Jesus bekommen wir Versöhnung geschenkt. Auch wenn er sicher genügend Gründe kennt, aus der Brüdergemeine auszutreten, hält uns Jesus doch noch immer die Treue.
Gegen Ende des Gottesdienstes hörten wir ein Grußwort von Claudia Kusch. Sie ist Referentin für Perspektiven missionarischen Handelns bei der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der die Brüder-Unität angegliedert ist. Was diese Angliederung bedeuten mag, versuchte Erdmute D. Frank mit einem Bild zu zeigen, das für einiges frohe Lachen sorgte: „Die EKD verbindet viele Landeskirchen als Glieder. Und wir sind dann vielleicht der Schmuckstein an der Kette“. Claudia Kusch betonte nicht nur die verbindende Kraft der Losungen und der Herrnhuter Sterne. Sie zeigte auch auf, dass wir ähnliche Themen beackern wie die EKD. Während die Brüdergemeine an einer Beteiligungskirche arbeitet, die in geografischen Räumen erlebbar wird, gebe es auch in den Landeskirchen verschiedene Aufbrüche. Will Kirche im Leben von Menschen relevant sein, müsse sie in deren sozialen Leben vorkommen. Das Synodenmotto „Connected. Verbonden. Vernetzt.“ sei dafür eine gute Leitschnur. Denn im Zentrum des Logos steht das Lamm – Christus verbindet uns.
Gleich beim Kirchenkaffee gab es Gelegenheit, diese Verbundenheit praktisch einzuüben. Große Kuchenbleche versüßten den Austausch miteinander, bis die alte Glocke wieder in den Saal rief. Nun, genau um 11:36 Uhr, ging es richtig los: Der Vorsitzende des Synodalvorstands, Peter Vogt, eröffnete die Synode offiziell. Dass wir alle Glieder einer langen Kette sind, vergänglich und doch mit bleibenden Einflüssen, wurde emotional erlebbar, als die lange Liste ehemaliger Synodale und Mitarbeiter der Brüder-Unität, die seit der vergangenen Synode heimgerufen wurden, verlesen wurde.
Mit Segenswünschen in den Nachmittag
Der Nachmittag war geprägt von einigen Berichten sowie der Behandlung der ersten Anträge. Eingeleitet wurde er jedoch von einem Segensvers für Kerstin Gutsche, die einen runden Geburtstag feierte, einem „Bigi Jari“, wie Peter Vogt mit Verweis auf die surinamische Tradition betonte.
Den größten Raum der Nachmittagssitzung nahm die Vorstellung des Direktionsberichts ein. Für drei der vier Mitglieder der Direktion stellte die Präsentation eine Premiere dar, wurden sie doch erst zur letzten Synodaltagung bzw. im Fall von Schw. Petra Ziegler erst danach in ihr Amt gewählt. So verschieden die Personen, so verschiedenen auch die Präsentationsstile. Lilian Stuger-Kembel zeigte ihren Enthusiasmus für die im Herbst 2024 begonnene Arbeit und verwies auf die großartige Zusammenarbeit mit ihren Mitarbeitenden am Direktionssitz Zeist. Für die Zukunft hat sie sich weitere Schritte hin zu einer wirklich einigen Provinz vorgenommen. Eine Provinz, in der die Geschwister in den kleineren Regionen und Arbeitsfelder genauso wahrgenommen werden wie jene in den Niederlanden oder in Deutschland. Voller Verve machte sie ihren Bewegungsdrang durch die Schlussworte deutlich: Ik ga davoor. – U ook?
Raimund Hertzsch schloss seinen Berichtsteil an und nutzte die Gelegenheit für Ergänzungen aus der jüngsten Zeit. So konnte die kürzliche Sitzung des Unity Board noch nicht Einzug in den Direktionsbericht finden. Einige Beschlüsse stellte er vor, darunter die Umbenennung des Amtes, das derzeit von Jørgen Bøytler ausgeführt wird. Bisher behielt er als „Unity Board Administrator“ einen Überblick über die Beziehungen und Entwicklungen in der weltweiten Brüder-Unität. Künftig soll eine neue Bezeichnung den veränderten Anforderungen Rechnung tragen: „Moravian Unity General Secretary“. Nach dem Vortrag von Raimund Hertzsch wurde an genau dieser Bezeichnung Kritik geäußert. Schließlich haben wir in der Brüdergemeine keine guten Erfahrungen damit gemacht, Menschen zuviel Verantwortung zuzumuten. Im Jahr 1741 wurde das Amt des Generalältesten der Brüdergemeine bewusst an Jesus Christus übertragen. Doch Br. Hertzsch entgegnete, dass der Begriff des „General Secretary“ doch etwas Anderes ausdrücke und so bereits von etlichen Provinzen sowie in den Kirchen der Ökumene genutzt werde.
Von der Finanzdezernentin Petra Ziegler durfte die Synode ungewohnt optimistische Zahlen hören. Für das Jahr 2025 konnte sogar ein positives Bilanzergebnis festgestellt werden. Zwar sinke die Mitgliederzahl weiterhin, doch konnten an anderen Stellen sehr positive Entwicklungen gemeldet werden. Erfreulich seien beispielsweise wachsende Schülerzahlen an der Zinzendorfschule in Tossens, was wiederum in nun reduzierten Zuschüssen der Kirche niederschlägt. Auch wenn sich im Bericht viel um Zahlen und Bilanzen dreht, war Schw. Ziegler sichtlich erfreut, von ihren Besuchen fast aller deutschen und einiger niederländischen Gemeinden zu berichten. Seit gerade erst 15 Monaten im Dienst, führte sie die Arbeit darüberhinaus nach Christiansfeld und Gracehill.
Zu den drängenden Fragen im Dezernat IV, das beispielsweise die deutschsprachigen Losungen und die Gemeinden in Deutschland umfasst, zählte Erdmute D. Frank neben anderen die fortlaufende Neustrukturierung der Brüdergemeine in Deutschland. Schon seit einigen Monaten arbeiten die Gemeinden und Sozietäten auch in regionalen „Räumen“ zusammen. Wie andere Kirchen und Organisationen auch war die Brüdergemeine in den letzten Jahren zudem bemüht, Wege hin zu einer sicheren Kirche zu pflastern und zu beschreiten. Seit Juli 2025 hat die EBU ein Konzept für einen grenzwahrenden Umgang und zum Schutz vor sexualisierter Gewalt. Das Schutzkonzept führte in der nachfolgenden Aussprache jedoch zu einer kritischen Nachfrage hinsichtlich einigen Details und vermeintlichen Lücken. Schw. Frank zeigte sich dankbar für den Austausch und kündigte an, die konkreten Anregungen in eine Überprüfung mitzunehmen.
Für die Arbeit der Direktion gab es von der Synode großen Applaus. Der Respekt wurde insbesondere auch vor der besonderen Herausforderung gezollt, dass Dreiviertel des Teams den Dienst erst in den letzten beiden Jahren begonnen haben.
Erste Anträge
Zwei Anträge wurden bereits am Sonntag eingebracht, darunter Antrag 1 als ein „alter Bekannter“, wie ihn Michael Schmorrde bei der Vorstellung nannte. Hier geht es um eine nötige Kirchenordnungsänderung, die aufgrund von Unklarheiten in der niederländischen Fassung des Antragstextes zurückgestellt werden musste.
Antrag 2 zielt ebenfalls auf eine Kirchenordnungsänderung. Die gängige Praxis, dass Mitglieder bei Umzügen in das Gebiet einer anderen Gemeinde nur mit ausdrücklicher Zustimmung in diese überschrieben werden, soll nun in der Kirchenordnung festgeschrieben werden. Beide Anträge werden zunächst im Ausschuss für rechtliche Fragen besprochen.

Montag, 28. September
Schiff auf Fahrt
Diese Woche werden wir mit herrlichem Spätsommerwetter beschenkt. Nicht zuletzt freuen wir uns über gut beleuchtete Fotos. Ob aber auch die Geschwister im Synodalvorstand über das helle Licht im Rücken beglückt sind? Mehr als einmal hatten sie Schwierigkeit, die Rednerliste auf dem hellbestrahlten Monitor gut zu erkennen. So oder so: Johannes Näumann vom Synodalvorstand zeigte sich erfreut und gab in seiner Begrüßung zur ersten Sitzung im Kirchensaal den passenden Ausdruck „Synodenwetter“ aus.
Doch zu dem Zeitpunkt, kurz nach 11 Uhr, ist schon einiges passiert: Morgengebet, Fruhstück, Bibelarbeit und vor allem die Konstituierung der Ausschüsse. Unter anderem stand die Aufgabe an, jeweils Vorsitzende und Berichterstatter zu bestimmen. Nun brauchen sie nur noch zusätzliche Arbeit. Zu diesem Zweck steht der Montag ganz im Zeichen der Anträge. In den Worten von Johannes Näumann: „Das Schiff hat Fahrt aufgenommen“.
Anträge
Los ging es am Vormittag mit Antrag 5, der den Beitritt der Brüdergemeine zum Seenotrettungsbündnis United4Rescue empfiehlt. Dieses wurde unter anderem von der Evangelischen Kirche in Deutschland gegründet, um dem Sterben von flüchtenden Menschen im Mittelmeer ein Ende zu setzen. In der Aussprache kamen noch einige offene Fragen zum Vorschein, insbesondere zu uneindeutigen Formulierungen in der schriftlichen Begründung. Der Antrag wurde zur weiteren Besprechung in einen Ausschuss verwiesen.
Besprochen wurde auch Antrag 20. Dieser hat zum Ziel, dass die Brüder-Unität einen Appell zum Atomwaffenverbot der Initiative „ICAN Deutschland“ unterzeichnet. ICAN setzt sich für eine atomwaffenfreie Welt ein und hat dafür im Jahr 2017 den Friedensnobelpreis erhalten. In der Aussprache wurde wieder die besondere Situation der Europäisch-Festländischen Provinz mit ihren acht Mitgliedsländern deutlich. So wurde dem mit der Weiterbearbeitung beauftragten Ausschuss auf den Weg mitgegeben, auch die Situation unserer kleineren Regionen in der Provinz zu berücksichtigen, manche von ihnen befinden sich in direkter Nachbarschaft zu Atommächten.
Ein weiterer Antrag, der sich von der Sehnsucht nach Frieden speist, bittet die Direktion um eine Mitgliedschaft der Brüdergemeine im ökumenischen Netzwerk Church and Peace (Antrag 21). Diese vorrangig von sogenannten Friedenskirchen wie den Mennoniten und den Quäkern geprägte Organisation ist in jüngerer Zeit zunehmend stärker mit der Brüdergemeine verbunden. So haben in den letzten beiden Jahren Delegierte der EBU an den europäischen Vollversammlungen teilgenommen, im Jahr 2025 fand sie sogar in Herrnhut statt. Im Plenum gab es keine Rückfragen und Stellungnahmen und so wird nun in einem Ausschuss weiter über den Antrag beraten.
Ein längeres Gespräch hingegen entspann sich nach der Vorstellung von Antrag 10 unter dem Titel „Beschäftigte von Unternehmen der EBU in den Blick nehmen“. Dem Antrag liege der Wunsch zugrunde, dass die Mitarbeitenden in jenen Betrieben, an denen die Brüdergemeine Anteile besitzt, das Interesse und die Wertschätzung der Brüdergemeine spüren. Bei der Einbringung des Antrags wurde deutlich formuliert, dass schon jetzt eine gute Arbeitskultur in den Betrieben zu bemerken sei. Und doch sei noch eine größere Anstrengung der Gesamtkirche wünschenswert. Im besten Fall könnte dabei auch das Interesse der Angestellten an der Brüder-Unität geweckt werden. Im kleineren Kreis eines Ausschusses wird nun weiter darüber nachgedacht.
Einen breiteren Austausch sucht auch Antrag 18. Anders als üblich hat dieser Antrag, gestellt vom Synodalvorstand zusammen mit den Bischöfen und dem Vorsitzenden des Intersynodalen Nominierungsausschuss, keinen Beschluss zum Ziel. Vielmehr möchte er das Gespräch unter den Synodalen anregen. Konkreter Gesprächsgegenstand ist die „Personalnot“, vor allem auf dem Gebiet der Gemeindearbeit. Wenn im Antrag dieser alarmierende Begriff verwendet wird, scheint das nicht übertrieben. In Modellen der Personalentwicklung zeichnet sich das düstere Bild ab, dass in fünfzehn Jahren nur noch eine Handvoll theologisch vollausgebildeter Personen für den Gemeindedienst oder für Positionen in der Direktion zur Verfügung stehen – sofern keine geeigneten Gegenmaßnahmen eingeleitet werden. Letztere zu finden ist das Ansinnen des Antrags, der im Ausschuss weiterbearbeitet wird.
Ebenfalls Zukunfts- und Strukturfragen addressiert Antrag 3 der sogenannten „Deutschen Konferenz“. Er stellt die Bitte, die begonnene Arbeit am Räumemodell für die Region Deutschland fortsetzen zu dürfen. Darin integriert ist eine schon länger verfolgte Idee einer Struktur mit „starken Zentren, inspirierenden Events und einem verbindenden Netzwerk“. Die Organisation der Brüdergemeine Deutschlands in vier geografischen Räumen ist bereits in der Erprobung angekommen. In allen vier Himmelsrichtungen haben sich Gemeinden für Kooperationen und Begegnungsangebote zusammengeschlossen. Die weiteren Planungen werden auch auf der Synode Raum erhalten, etwa in einem Synodenforum am morgigen Dienstag. Darüberhinaus wurde der Antrag aber einem Ausschuss überwiesen.
Inklusive Kirche
Zum Abend folgten mehrere Anträge, die sich mit Themen von Diversität und Vielfalt, insbesondere auch hinsichtlich Geschlechtsidentitäten und sexueller Orientierung, beschäftigen. Als guten Rat für respektvolle und liebevolle Gespräche zitierte der Synodalvorstand den Apostel Paulus: „Lasst uns wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus“ (Epheser 4,15). Tatsächlich schienen die Synodalen von dieser Maßschnur geleitet – der Austausch zu den verschiedenen Anträgen war im Ton stets respektvoll und vom Verständnis für unterschiedliche Sichtweisen und abweichendes Bibelverständnis geprägt.
Den Anfang setzte Antrag 8, der ein besonderes Gesprächsformat für die Gemeinden in Deutschland nutzen möchte. Unter dem Namen „Heilige Diversiteit“ sammelt sich in den Niederlanden eine begrenzte Anzahl von Kirchenmitgliedern zu Gesprächsrunden in ihren Gemeinden. Dort kommen sie mit queeren Menschen in den Austausch und erfahren etwas von ihnen, auch und besonders hinsichtlich ihrer geschlechtlichen Identität oder Sexualität. Auch zwei Herrnhuter Gemeinden in den Niederlanden nutzen dieses Angebot. Ein ähnliches Konzept wurde bereits in der nordamerikanischen Nordprovinz erfolgreich durchgeführt. Im Austausch der Synode wurde deutlich, dass manche das Bedürfnis in ihren jeweiligen Gemeinden jedoch gar nicht sehen.
Auch aus den Reihen der EBU Jugend wurde ein Antrag eingereicht. Antrag 6 hat zum Ziel, Personen aller Geschlechtsidentitäten einen sicheren Platz in unserer Kirche zu bieten. Dazu gehöre für Angestellte der Kirche, vor allem jene in Verantwortungspositionen, über Weiterbildungen zu einem besseren Verständnis für queere Menschen zu gelangen. Bei der Antragsvorstellung wurde erläutert, dass dem Text ein sehr ähnlicher Antrag zugrundeliege, der bereits auf einer Synode der nordamerikanischen Nordprovinz beschlossen wurde.
Antrag 23 („Umkehr zum Maßstab des Wortes Gottes“) war möglicherweise der Antrag, über den im Vorfeld am meisten gesprochen wurde. Auf der Synode bekam er knapp die nötige Anzahl an Unterstützungen, was einen offenen Austausch darüber ermöglichte. Manche Stimme, die sich äußerte, klang beklemmt ob der in den verwendeten Formulierungen wahrgenommenen Diskriminierungen. Verschiedene Mitglieder der Synode sprachen an, dass sie im Vorfeld der Synode aus unterschiedlichen Richtungen auf den Antrag angesprochen wurden. Mitglieder hätten sich hinsichtlich der Anträge zu Themen der Geschlechtergerechtigkeit die Frage gestellt, ob es noch ihre Kirche sei. Verschiedentlich wurde die Notwendigkeit betont, miteinander in einen ehrlichen Austausch zu treten. Doch brachten manche ihre Bauchschmerzen zum Ausdruck, da sie manche Elemente aus dem Antrag als Verstoß gegen das Grundgesetz bzw. gegen die niederländische Verfassung betrachten.
Nachdem ein Geschäftsordnungsantrag zur sofortigen Abstimmung knapp abgelehnt wurde, stimmte die Synode mit deutlicher Mehrheit bei etlichen Gegenstimmen und einigen Enthaltungen für den Verweis in den Ausschuss 1, der sich mit Zeugnis und Dienst befasst und in dem auch die Anträge 8, 6, 7 und 9 behandelt werden, die sich ebenfalls mit Fragen der Sexualität und Geschlechtsidentität beschäftigen.
Antrag 7 möchte sicherstellen, dass ebensolche Fragen der Sexualität und Geschlechtsidentität bei möglichen Ordinationen keinerlei Benachteiligungen nach sich ziehen dürfen. Wie im Austausch deutlich wurde, wären solcherlei Ungleichbehandlungen rechtlich verboten. Doch die Antragssteller verweisen darauf, dass es in der jüngeren Vergangenheit Fälle gegeben habe, bei denen potentiellen Pfarrpersonen nahegelegt worden sei, sich beruflich anderweitig zu orientieren. Aus diesem Grund halten die Antragsstellenden einen ausdrücklichen Beschluss für notwendig. Immerhin stellte Erdmute Frank namens der Direktion fest, dass ihnen die sexuelle Orientierung bei Stellenbesetzungen unbedeutend sei.
Um Menschen unterschiedlicher sexueller Orientierung und Geschlechtsidentitäten deutlich zu zeigen, dass sie nicht nur mitgemeint, sondern wirklich adressiert werden, wünscht sich Antrag 9 bei einer möglichen Neufassung des Leitbilds, die Definition von Vielfalt zu erweitern. Bei der Aussprache zum Antrag wurde ein kirchenrechtliches Problem genannt: Das Leitbild wurde nämlich von der Synode beschlossen und kann voraussichtlich aus diesem Grund auch nur durch sie selbst neugefasst werden. Der Antrag adressiert allerdings die Direktion mit dem Auftrag. Auch darüber wird nun im Ausschuss weitergesprochen.
Als letztes kam heute Antrag 22 auf den Tisch. Er fordert dazu auf, in offiziellen Schreiben, Ordnungen und anderen Veröffentlichungen eine geschlechtergerechte und inklusive Sprache zu nutzen. Das Anliegen dahinter sei laut der Vorstellung, dass sich in unserer Kirche wirklich alle willkommen fühlen. Freilich verändere Sprache nicht alles, doch mache sie deutlich, wen wir als Kirche vor Augen haben. Ausdrücklich wollen die Antragsstellenden nicht vorschreiben, wie Menschen sprechen oder wie sie sich im privaten Bereich ausdrücken, auch gehe es nicht um verbissene Korrektheit bei einer jeglichen Äußerung. Wichtig sei vielmehr das grundsätzliche Bemühen, alle Menschen in den Blick zu nehmen und auch entsprechend zu adressieren. In den nächsten Tagen wird sich der Ausschuss 5 näher mit dem Antrag befassen.
Ehrung für Theodor Clemens
Als wichtige Begleiter der Synode wie auch der gesamten kirchlichen Arbeit haben die Bischöfe der Europäisch-Festländischen Provinz ihre Plätze in der ersten Reihe eingenommen. Aufgrund schwacher Gesundheit musste sich leider Bischof Humbert Hessen abmelden. Ein schriftlicher Gruß von ihm wurde verlesen.
Dass Bischof Theodor Clemens trotz schwerer Krankheit genügend Kraft und Ausdauer hat, die meisten Synodensitzungen zu verfolgen, gehört zu den Lichtblicken der Woche. So steckte im Blumengruß der Synode anlässlich des 30-jährigen Bischofjubiläums gewiss viel mehr als lediglich eine Würdigung seiner verbindenden Arbeit. So manchem Mitglied der Kirche hat Theodor Clemens in den vergangenen Jahren Trost zugesprochen und Hoffnung geschenkt, in manchem Streit hat er vermittelt und dabei immer wieder auf das heilende Handeln von Jesus Christus verwiesen. In seiner spontanen Antwort auf den Gruß zeigte sich Bruder Clemens glücklich über Gottes Hilfe bis zum heutigen Tag. Auch seinen Bischofskollegen gelte Dankbarkeit für das geteilte Amt. Einer allein könne die Last nicht tragen.

Richtungsweisende Arbeiten
Auch wenn der Sitzungstag von Anträgen geprägt war, gab es noch weit mehr. Am Vormittag berichteten die beiden intersynodalen Kommissionen für liturgische Fragen über ihre Arbeit. Sowohl der niederländische als auch der deutschsprachige Ausschuss befassten sich mit den Lesungen in der Karwoche. An der konkreten Zusammenstellung der Evangelientexte wurde in den vergangenen Jahren immer wieder Kritik geäußert. Diese mündeten in einen synodalen Auftrag, die verwendeten Texte zu überprüfen und gegebenenfalls zu überarbeiten. Die Ergebnisse der Ausschussarbeit erklärte die daran beteiligte Judaistin Juliane Mihan. Bei der Überarbeitung ist der Ausschuss tatsächlich auf einige Formulierungen gestoßen, die durch stereotype Darstellungen die Gefahr mit sich führen, antijüdisch verstanden zu werden. Aus diesem Grund wurde bei manchen Passagen auf Paralleltexte anderer Evangelien zurückgegriffen, teilweise wurden sie auch ganz aus den Lesungen herausgenommen. Das betrifft etwa etliche „Weherufe“, die bisher am Montag der Karwoche gelesen wurden. Während die Lesungen bisher der Lutherbibel entstammen, sind die neuen Texte der Neuen Genfer Übersetzung entnommen. Diese verwendet eine moderne Sprache und bleibt dabei eng am Originaltext.

Dienstag, 29. September
Einbringung der letzten Anträge
Ein weiterer sommerlicher Herbsttag taucht die Synodalarbeit in ein warmes Licht. Die Sonne ging jedoch gerade erst über Herrnhut auf, als sich morgens um 7 Uhr die Frühaufsteher zur morgendlichen Gebetsgemeinschaft trafen. Die Langschläfer hingegen verpassten nicht nur den Sonnenaufgang, sondern liefen auch Gefahr, zu spät zum Frühstück zu erscheinen, denn pünktlich halb neun ging es in die Kleingruppen zur Bibelarbeit. Diese wiederum floss in die erste – und für heute auch letzte – Ausschusssitzung des Tages ein. Ab morgen wird dann hauptsächlich in kleineren Gruppen weitergearbeitet. Heute wurden nämlich die restlichen Anträge eingebracht. Mit ihnen dürften nun alle Ausschüsse genügend Arbeit auf dem Tisch haben.
Die Anträge
Geht eine Ära zu Ende, sollte Antrag 19 erfolgreich sein? Nicht unbedingt. Zwar beantragt die Direktion, den kirchenrechtlichen Status des Rates für die Diaspora aufzuheben, doch lösen sich die bisher im Rat vertretenen Arbeitsgruppen nicht auf, sondern wollen lediglich in anderen niederländischen Gemeinden aufgehen. Um jedoch genau zu verstehen, was diese Arbeitsgruppen ausmacht und auf welche besondere Weise sie bisher Kirche gebildet haben, mussten viele Synodale außerhalb der Niederlande besonders aufmerksam der Einbringung durch Henna van Hell lauschen, die als Pfarrerin die Diasporagruppen begleitet. Ihre Vorstellung setzte im Jahr 1975 an, dem Jahr der Unabhängigkeit Surinames. Viele Mitglieder der dortigen Brüdergemeine sind damals in die Niederlande eingewandert und haben in der neuen Heimat eine vertraute kirchliche Gemeinschaft gesucht. Auf diese Weise sind einige neue Herrnhuter Gemeinden in den großen Städten der Niederlande entstanden. In manchen kleineren Städten versammelten sich die Geschwister jedoch in deutlich kleineren lebendigen Hausgemeinden. Daneben trafen sich auch Menschen untereinander, die konkreten surinamischen Volksgruppen angehörten: Javaner, Hindustaner und Maroons. Zum Abschluss eines dreijährigen Prozesses der Zukunftsgestaltung kamen die Geschwister im Rat für Diaspora nun zum Ergebnis, ihren Status aufgeben zu wollen und sich ohne eigene Pfarrperson bestehenden Gemeinden anzuschließen. Das bedeutet aber nicht, dass die Arbeit in den Gruppen nun einschlafen wird. Denn auch weiterhin werden die Diasporagruppen einen geistlichen Austausch organisieren.
Als Gegengewicht zu Gewalt und Zerstörung, die sich Menschen gegenseitig antun, schlägt Antrag 11 die Bildung internationaler Gebetsgemeinschaften vor, denn das Gebet sei die ureigene Fähigkeit von Christinnen und Christen. Im Ausschuss wird weiter über das Ansinnen des Antrags nachgedacht und sicher auch besprochen, inwiefern die Unitätsgebetswacht dazu passt. Sie zieht nämlich bereits als internationale Gebetskette unablässig quer durch alle Provinzen der Brüder-Unität.
Mit Antrag 13 wird der Ausbau funktionaler Netzwerke gefordert. Diese sollen bewirken, dass Jugendliche durch Ausbildungsangeboten und Praktika in Betrieben von Brüdergemeinmitgliedern ihre Zukunftsperspektiven weiterentwickeln können.
Die Arbeitsgruppe Klimaschutz ist seit einigen Jahren bestrebt, Maßnahmen zum Klimaschutz mit dem Ziel einer Klimaneutralität der Brüdergemeine bis spätestens zum Jahr 2045 zu befördern. Zwei ihrer Mitglieder stellten die Arbeit der AG Klimaschutz vor. Sie sprachen von großen Fortschritten, etwa hinsichtlich der Stärkung von Solarenergie. Auf der anderen Seite stünden enorme Herausforderungen, besonders hinsichtlich der energetischen Sanierung alter, denkmalgeschützter Gebäude. Mit Antrag 4 bittet die AG Klimaschutz nun darum, weiterhin mit der Arbeit an den begonnenen Projekten beauftragt zu werden.
Antrag 17 macht auf ein Projekt der Protestantischen Theologischen Universität mit Sitz in Amsterdam aufmerksam. In einer Studie sollen negative Machtstrukturen in Kirchen untersucht werden, um so Arbeitsansätze aufzuzeigen, die den Weg zu einer sicheren Kirche begleiten. Sollten für die Studie öffentliche Förderungen ausgezahlt werden, könnte sich eine Arbeitsgruppe aus Mitgliedern verschiedener Länder mit den Machtverhältnissen in der Brüdergemeine befassen. In der Aussprache wurde die Komplexität des Antrags thematisiert.
Bleiben noch die beiden Anträge 12 und 14, die sich beide für eine gestärkte Begleitung von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden aussprechen. Wie alle anderen Anträge auch, drehen sie nun erstmal eine Runde im zugewiesenen Ausschuss.
[Der Tagesrückblick wird in Kürze ergänzt]

Mittwoch, 30. September
Zweite Halbzeit der Synode
Seit bereits drei Tagen sind Vertreterinnen von Gemeinden und Einrichtungen der Brüder-Unität in Herrnhut zusammen. Genauso lange wird es noch gehen, bis mit am Freitag die Synode mit dem Abendmahl ihren Abschluss finden soll.
Auch am heutigen Mittwoch lockte das warme Synodenwetter die Delegierten immer wieder hinaus ins Freie. Einzelne wagemutige Teilnehmer wagten sich etwa hoch hinauf und genossen die Aussicht vom Baugerüst am Kirchturm. Ein bedeutender Pflichttermin war aber vor allem das Gruppenfoto im Kirchgarten, zu dem sich alle Teilnehmenden der Synode versammelt haben: Bischöfe, Direktion, Delegierte, Übersetzer und Dolmetscher, IT-Brüder und Büro-Schwestern, Synodendiener und Protokollantinnen, Berichterstatter und Gäste. Und dazu in ihrer Mitte ein gewisser Nikolaus Ludwig von Zinzendorf. Auch die Kinder von Synodenmitgliedern dürfen mit aufs Bild – und zwar nicht irgendwo an den Rand platziert, sondern direkt in die Mitte der Bischofsbank. Ein berührendes Zeichen.
Neben einigen Berichten zu den Missionsorganisationen, diakonischen Einrichtungen oder dem Unitätsarchiv, die bei Plenarsitzungen im Kirchensaal vorgestellt wurden, fand die Arbeit heute vorrangig in Ausschüssen statt. Der Mittwoch eignet sich einfach sehr gut, Strecke zu machen und in konzentrierter Arbeit die Anträge und Berichte zu besprechen. Der Synodalvorstand empfahl den Ausschüssen prophylaktisch trotzdem schon mal, sich in kleineren Teilgruppen zu organisieren. Im besten Fall könnte so nämlich noch mal mehr Arbeit erledigt werden.
Nun sollte es nicht mehr lange dauern, bis hier von ersten Beschlüssen und Erklärungen berichtet werden kann.

Donnerstag, 1. Oktober
Thursdays in Black
Heute geht ein besonderes Zeichen der Solidarität von der Synode aus. Der prächtige Blumenschmuck auf den Fenstersimsen gehört an diesem Tag nämlich zu den wenigen verbliebenen Farbtupfern im weißen Kirchensaal. Denn die hier zu sehenden Menschen – der eigentliche Schmuck des Saals – verzichten weitgehend auf Farbe, fast alle tragen heute Schwarz. Ein großer runder Anstecker an der Kleidung klärt auf, worum es geht: „Towards a world without rape and violence – THURSDAYS IN BLACK“ (Auf dem Weg zu einer Welt ohne Vergewaltigung und Gewalt – Donnerstags in Schwarz).
Gemeinsam mit den Kirchen der Ökumene machen wir uns weiterhin für eine Welt ohne Vergewaltigung und Gewalt stark. Die Brüder-Unität beteiligt sich weltweit an der Kampagne Thursdays in Black. An Donnerstagen tragen ihre Mitglieder bewusst schwarze Kleidung und einen Anstecker. Durch die Teilnahme an der Aktion des Weltkirchenrats (ÖRK) sensibilisieren sie für das alltägliche Leid durch geschlechtsspezifische Gewalt und geben ein Zeichen der liebevollen Annahme.
www.oikoumene.org/de/what-we-do/thursdays-in-black
Direktionswahl
Auf der Synode 2014 in Zeist wurde Raimund Hertzsch in die Direktion gewählt. Seitdem verantwortet er von Bad Boll aus das Dezernat II. Er ist in besonderer Weise mit den Verbindungen innerhalb der weltweiten Brüder-Unität beauftragt, wozu die vielfältige Arbeit der Herrnhuter Mission (HMH) zählt. Innerhalb unserer Provinz gehören die Regionen Albanien, Schweiz und Schweden zu seinen Arbeitsgebieten.
Nun, nach zwölf Jahren, endet seine zweite Amtsperiode, was eine Neuwahl in der Direktion nötig macht. Die Mitglieder des Intersynodales Nominierungsausschusses suchten nach geeigneten Kandidatinnen und Kandidaten. Sehr erfreut vernahmen sie dabei die Bereitschaft von Bruder Hertzsch, sich zu einer dritten Amtzeit von erneut sechs Jahren aufstellen zu lassen. Ein gewichtiges Argument für die Entscheidung war die Tatsache, dass er als einziges Direktionsmitglied bereits länger als zwei Jahre im Amt ist und so eine gewisse Kontinuität möglich macht. Aber daneben führte er vor allem seine Begeisterung für die vielfältigen Aufgaben als Grund an, erneut zur Wahl anzutreten.
Außer Raimund Hertzsch hat sich niemand für die Wahl aufstellen lassen. Dass es trotzdem zwei Anläufe bis zur Wahl benötigte, hatte seinen Grund allerdings in zunächst ungeklärten Fragen des Wahlablaufs. Die Wahl eines Direktionsmitglieds muss geheim erfolgen. Dass die Abstimmung am Laptop dafür nicht unbedingt die beste Lösung ist, wird beim Blick in den Plenarsaal offensichtlich: Fast unweigerlich streifen die Augen die aufgeklappten Bildschirme.
Um das Amt nicht durch eine anfechtbare Wahl zu beschädigen, suchte der Synodalvorstand nun nach einer Alternative und fand diese in guten alten Bekannten aus analogen Tagen: Stift und Papier. Die Synodaldiener durften nun also wieder Körbe greifen und gefaltete Stimmzettel einsammeln, die Auszählung erfolgte durch Menschen statt Maschinen. Die Bischöfe wiederum übernahmen die Aufgabe des Hilfswahlausschusses und überbrachten das Ergebnis: Raimund Hertzsch ist für eine dritte Amtszeit in die Direktion gewählt worden.

Abstimmungen
Der Donnerstagvormittag bat ausreichend Zeit zur Arbeit in den Ausschüssen. Bis auf einen konnten alle ihre Aufgaben erledigen, was vielen Synodalen einen unverhofft entspannten Nachmittag bescherte. Im späten Sommer konnten sie so noch ein bisschen durch den Ort streifen. Gleichwohl fühlte es sich wie die Ruhe vor dem Sturm an, ehe die Abendsitzung dann einen Vorgeschmack auf den Endspurt gab: Insgesamt zwölf Anträge wurden heute besprochen. Morgen werden dann etwa 35 weitere auf dem Programm stehen.
Angenommen wurden die Anträge 1 und 2 mit Anpassungen an der Kirchenordnung. Der Antrag 22, der die Verwendung geschlechtergerechter Sprache in Briefen, Ordnungen und sonstigen Veröffentlichungen der Brüdergemeine forderte, wurde dahingehend etwas abgeschwächt, dass ihre Verwendung nunmehr „empfohlen“, nicht mehr erwartet wird. Zudem wird ein Zusatz im Vorwort zur Kirchenordnung aktualisiert: „die in der KO verwendeten Personen- und Dienstbezeichnungen gelten jeweils für alle Geschlechter.“
Formal abgelehnt wurde Antrag 21, dass die Brüder-Unität Mitglied bei der Organisation „Church and Peace“ werden solle. Das Anliegen wurde allerdings in Antrag 28 aufgenommen. Die Synode empfiehlt ihrer Arbeitsgruppe für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung zu prüfen, Mitglied der Organisation zu werden. Schon bei den Mitgliedern des behandelnden Ausschusses konnte keine Einigkeit hergestellt werden, auf welchen Wegen Frieden zu schaffen sei. So schien es nicht repräsentativ, sollte die gesamte Kirche Mitglied bei „Church and Peace“ werden.
Abgelehnt wurde zudem Antrag 17, der eine Arbeitsgruppe zur Untersuchung negativer Machtstrukturen in der EBU zum Ziel hatte. Zwar wurde vom Berichterstatter des Ausschusses das Ziel des Antrags ausdrücklich gewürdigt, nämlich der Schutz vor missbräuchlichem Handeln innerhalb der Kirche, doch habe die Brüdergemeine mit Verhaltenskodex und Schutzkonzept bereits große Fortschritte hin zu einer aufmerksamen und sicheren Kirche geleistet. Eine Parallelstruktur scheint hierbei hinderlich.
Im Ergebnis wenig überraschend, doch für ihre Arbeit ausgesprochen wichtig war die einstimmige Entlastung der Direktion für die Geschäftsjahre 2023 und 2024 (Antrag 24). Quittiert wurde die gute Arbeit der Direktion zudem mit stehendem Applaus der Synodalen. Die Entlastung gilt im Besonderen Heiderose Weber, die bis 2024 die finanziellen Belange der EBU im Blick hatte. Sie soll nun auch einen herzlichen Dankesgruß aus dem Kreis der Synode erhalten.
Ebenfalls entlastet wurde der Intersynodale Finanzausschuss (Antrag 25), verbunden mit großem Dank für die geleistete Arbeit. Außerdem wurden noch einige wertschätzende Briefe und Rückmeldungen beschlossen: An die Zinzendorfschule Tossens (Antrag 26), an die Mitarbeitenden auf dem Sternberg (Antrag 27), an das Team des Unitätsarchivs (Antrag 30) und an die Mitglieder der Theologischen Kommission (Antrag 42).
Für manche überraschend wurde Antrag 40 vorgestellt, der erst während der Ausschussarbeit entwickelt wurde. Angesichts der sich im rasanten Tempo entwickelnden sogenannten Künstlichen Intelligenz solle die Direktion beauftragt werden, eine KI-Strategie für die kirchliche Arbeit zu erstellen. Mit deren Hilfe könne die Arbeit erleichtert, verbessert und weiterentwickelt werden. Die Verwendung von KI müsse aber auch ethisch vertretbar und sicher erfolgen, vor allem hinsichtlich sensibler Daten. Einige Wortmeldungen während der Aussprache äußerten Unklarheiten, was genau der Beschluss nach sich zöge und welche Kosten zu erwarten seien. Um am Antrag noch etwas nachzubessern, wurde er zurück in den Ausschuss verwiesen.

Freitag, 2. Oktober
Dankbare Erschöpfung
Freitagabend, 18.35 Uhr. Ein letztes Mal drückt der Vorsitzende des Synodalvorstands, Peter Vogt, auf den Schalter des Mikrofons: „Die Sitzung ist geschlossen.“ Im Rücken liege eine Woche intensiver Arbeit, wie Bruder Vogt in seinem Resümee erläutert. Eine Woche, deren positive Entwicklung im Vorfeld nicht selbstverständlich erschien. Gerade die Anträge zur Geschlechtervielfalt und sexuellen Orientierung beinhalteten ein gewisses Explosionspotential, das allerdings nicht entfacht wurde. Sichtlich dankbar über die respektvolle, geradewegs harmonische Sitzungswoche empfahl er, nun beruhigt die Resultate der Arbeit in die Hände unseres Generalältesten Jesus Christus zu legen.
Viel Applaus galt dem Synodalvorstand für eine genaue, bei allem Zeitstress doch entspannte, stets freundliche und häufig unterhaltsame Sitzungsleitung. Zu der umsichtigen Gestaltung der Woche zählte auch, dass stets mit guten Worten an Geburtstage und Dienstjubiläen gedacht wurde – gerade mit den kleinen Präsenten an Gäste und Jubiliare leistete die Synode so ihren kleinen Beitrag zum positiven Bilanzergebnis der Herrnhuter Sterne GmbH. Ein „Bigi Jari“ der besonderen Art feierte die Schriftwartin Helena Schneider – seit 20 Jahren schon organisiert sie gewissenhaft die Synodentagungen. Die stehenden Ovationen galten neben ihr auch ihren Kolleginnen im Synodalbüro. Hochleistungen haben auch die Techniker erbracht. Besonders durch das neu eingeführte Konferenzsystem hatten sie einen großen Einfluss auf eine meistens gut laufende Synode. Der Dank für – häufig ehrenamtliche – Unterstützung galt zudem den Synodaldienerinnen, Protokollanten, Übersetzerinnen und Dolmetschern. Und nicht nur einmal wurde auch der Brüdergemeine Herrnhut gedankt, deren Gastfreundschaft nicht zuletzt bei jeder Kaffeepause aufleuchtete.
Nach der Dankesrunde packten schnell alle mit an, räumten leere Wasserflaschen in die Kisten, Kopfhörer in die Ladestationen und alle Ordner und Laptops in die eigenen Taschen. Zurück blieb ein zwar immer noch gewöhnungsbedürftiger Plenar-/Kirchensaal, doch hat die Arbeitsatmosphäre Platz für einen geistlichen Raum gemacht. So konnte gemeinsam mit der anwesenden Gemeinde das Abendmahl als eigentlicher Abschluss der Synodenwoche gefeiert werden.
Abstimmungs-Endspurt
Um am Abend alles pünktlich fertig zu haben, musste noch eine straffe Tagesordnung abgearbeitet werden. Dankbar waren dabei die Anträge, die Dankesworte und Grüße beinhalteten. Diese konnten meist ohne Aussprache und mit sehr hohen Zustimmungsraten beschlossen werden. Zur Weiterarbeit ermutigt wurde etwa die Arbeitsgruppe zu Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung (Antrag 29). Gedankt wurde den beiden Ausschüssen für Liturgische Fragen (Anträge 43 und 44), der niederländischen Arbeitsgruppe Ausbildung (Antrag 46), den Missionsorganisationen (Antrag 48) sowie den Diakonischen Werken und den Schulen (Antrag 41). Der Vorbereitungsgruppe zu den Jubiläumsfeiern UNITY’27 im August des nächsten Jahres hat die Synode mit Antrag 47 noch ein paar gemeinschaftsfördernde Programmideen mit auf den Weg gegeben.
Auch zu den zivilgesellschaftlichen Aufgaben der Kirche wurden Anträge beschlossen. So wird die Evangelische Brüder-Unität der Seenotrettungsorganisation United4Rescue beitreten (Antrag 5) und einen Appell an die Deutsche Bundesregierung zur Abschaffung von Atomwaffen unterzeichnen (Antrag 20). Weiterhin wird zudem die AG Klimaschutz am Ziel einer klimaneutralen Kirche bis spätestens 2045 arbeiten (Antrag 4).
Die Wertschätzung der Angestellten aller Betriebe, an denen die Brüder-Unität Anteile besitzt, wurde mit Antrag 10 ausgedrückt. In der umfangreichen Begründung des Antrags wird unter anderem angeregt, regelmäßige und unentgeltliche Seelsorgeangebote in der Belegschaft anzubieten.
Einige Anträge umfassen die haupt- und ehrenamtliche Gemeindearbeit. Dass diese überhaupt für die Zukunft gesichert ist, ist Anliegen des Antrags 52, der ein intensives Nachdenken innerhalb bestehender Arbeitsgruppen anregt. Die Direktion wird beauftragt, offene Fragen zum Personalbedarf und zur Finanzierung zu klären. Gewünscht wird zudem, dass bei der nächsten Synode in allen Kommissionen weiter über Personalgewinnung nachgedacht wird. Mit Antrag 33 wird anerkannt, dass in den Gemeinden unterschiedliche Formen der Wertschätzung ehrenamtlicher Mitarbeiter gepflegt werden. Wo der Wunsch von Ältestenratsmitglieder nach Weiterbildung besteht, soll die Direktion laut dem überarbeiteten Antrag 12 diese ermöglichen. Und schließlich soll die Notwendigkeit einer sichereren Kirche durch eine Kirchenordnungsänderung gewährleistet werden. Fortan soll die Eignung zur Mitarbeit in Bezug auf die Prävention sexualisierter und anderer Formen von Gewalt durch regelmäßige Abfrage staatlicher Register nachgewiesen werden (Antrag 32, der den ursprünglichen Antrag 16 ersetzt).
[Elf weitere Anträge wurden noch abschließend behandelt. Der Tagesrückblick wird die Ergebnisse in Kürze vorstellen.]

Samstag, 3. Oktober
Versöhnung fährt weiter
Eine Woche Beratungen ist vollbracht. Für alle (demnächst) nachlesbar, stehen 37 Beschlüsse auf der Habenseite, die sich mit Zukunfts- und Gegenwartsfragen und hinsichtlich der Beschäftigung mit der Sklaverei auch mit Fragen der Vergangenheit der Brüder-Unität befassen. Weniger offensichtlich und doch ausgesprochen wichtig war die empfundene und gelebte geschwisterliche Einheit. Sie hat die Synode geprägt. Neue Kontakte haben sich aufgetan, neue Denkanstöße dockten an. Doch wenn sich nun die Beteiligten ob der Ergebnisse glücklich zurücklehnen sollten, sei es ihnen als Erholung für eine intensive Arbeitswoche natürlich einerseits gegönnt. Aber bei genauerem Blick fällt doch auf, dass in etlichen Beschlüssen ein bunter Strauß neuer Aufgaben für die Kirche steckt: Gesellschaftliche Positionierungen sollen in die Gemeinden getragen werden, Ideen gegen den Fachkräftemangel geschmiedet und Feste vorbereitet werden.
Als Überschrift der Woche könnte stehen, dass wir eine wirklich einladende Kirche sein wollen, in der sich alle willkommen fühlen können, ungeachtet ihrer kulturellen Herkunft, ungeachtet ihrer Frömmigkeit, ungeachtet auch ihrer Sexualität und Geschlechtsidentität. Wegmarken für ein echtes Miteinander wurden einige gesetzt und auf der Synode auch vorgelebt: Allen voran Gespräche, mit Respekt und Verständnis füreinander und unter dem Horizont einer gemeinsamen Hoffnung. Als Christen in einer unversöhnten Welt wurde durch die Synode besonders auch die Bedeutung des gemeinsamen Gebets empfohlen – und gelebt.
Wenn sich nach dem Frühstück nun also Autos, Züge und Busse, für manche wenige sogar Flugzeuge, in Bewegung setzen, bleibt eine Erkenntnis felsenfest stehen: Versöhnung geht weiter.
Gebet
Die Synode ist ein wichtiges Gremium für unsere Kirchenprovinz. Daher laden wir dazu ein, sie im Gebet zu begleiten.
Ein entsprechendes Gebet haben wir hier als PDF bereitgestellt.
Bericht der Direktion der Europäisch-Festländischen Brüder-Unität an die Synode

In Vorbereitung auf die Synode 2026 hat die Direktion ihren Bericht über die Entwicklung der Europäisch-Festländischen Provinz seit der letzten regulären Synode 2024 veröffentlicht. Der Bericht kann bei Bedarf in deutscher, niederländischer und englischer Sprache angefordert werden.
synode@ebu.de

Bilder und Berichte von der
Synode 2026
In der Zeit vom 26. September bis 3. Oktober 2026 tagt in Herrnhut die Synode der Europäisch-Festländischen Provinz.
Materialien hierzu sowie Bilder und Berichte werden auf der folgenden Seite veröffentlicht.

Bilder und Berichte von der
Synode 2024
In der Zeit vom 8. bis 15. Juni 2024 tagte in Herrnhut die Synode der Europäisch-Festländischen Provinz.
Materialien hierzu sowie Bilder und Berichte sind auf der folgenden Seite zu finden.
























































