Zusammenarbeit in einer weltweiten Kirche


von Raimund Hertzsch

Die Tagung des Unity Board fand vom 5. bis 10. September 2026 in Calgary, Kanada, in konstruktiver und herzlicher Atmosphäre statt. Als Gastgeberin für die Tagung war die Region Nordamerika an der Reihe. Da es Bedenken gab, ob alle Geschwister ein Visum für die Einreise in die USA bekommen, wurde die Tagung in Kanada geplant. Leider bekamen auch hier nur wenige ein Visum, sodass etwa die Hälfte der Mitglieder des Unity Board online zugeschaltet war. Bis auf drei Brüder aus Tansania erhielten die afrikanischen Geschwister keine Einreisegenehmigung. Sie nahmen gemeinsam von Daressalam aus per Videokonferenz teil.

Seitens der Geschwister des kanadischen Distriktes der Brüdergemeine in Nordamerika erlebten wir wunderbare Gastfreundschaft und eine sehr gute Organisation vor Ort. In zwei Gruppen feierten wir am Sonntag Gottesdienste in den Gemeinden Christ Moravian Church und Good Shepherd Moravian Church in Calgary. Wir wurden herzlich willkommen geheißen, großartig bewirtet und hatten Gelegenheit zum Gespräch mit zahlreichen Geschwistern. Am Sonntagnachmittag wurden wir zu einem Ausflug in die nahegelegenen Rocky Mountains eingeladen, wo wir auf einer Ranch faszinierende Einblicke in die Landschaft und Kultur der Region bekamen. Während einer kurzen Fahrt mit der Pferdekutsche sahen wir nicht nur Büffel und andere Tiere, die im Gelände gehalten werden, sondern auf der Rückfahrt durch den Wald sogar einen wilden Schwarzbären, der unseren Weg kreuzte.
       Die Abende der Tagungswoche wurden inhaltlich von Geschwistern des kanadischen Distrikts gestaltet und schlossen mit einem gemeinsamen Abendgebet. Tief beeindruckt und bewegt waren wir von persönlichen Berichten zweier Schwestern aus indigenen Bevölkerungsgruppen der Region Alberta, die über Diskriminierung und die schlimmen Erfahrungen von Familienangehörigen in den sogenannten Residential Schools berichteten. Kinder der indigenen Bevölkerung wurden zwangsweise in staatlichen und auch kirchlichen Internatsschulen fern von ihren Familien eingewiesen, wo sie als „Wilde“ deklariert wurden und umerzogen werden sollten. Ihnen wurde verboten, in ihren Muttersprachen zu sprechen und die traditionelle Kleidung zu tragen. Ihre Kultur und Herkunft wurden als böse oder minderwertig dargestellt. Viele Kinder litten unter schwerer Vernachlässigung, Unterernährung und schlechten hygienischen Bedingungen. Es gab massive körperliche, seelische und sexualisierte Gewalt. Erst 1996 wurde die letzte dieser Residential Schools geschlossen. 

Mehr als neunzig Punkte auf der Tagesordnung waren während der Sitzungstage von Montag bis Mittwoch abzuarbeiten, wobei Berichte aus den Provinzen und Arbeitsgebieten der weltweiten Unität einen breiten Raum einnahmen. Dank der hervorragenden Leitung und Vorbereitung der Tagung durch die Vorsitzende Schw. Roberta Hoey und den Unity Board Administrator Br. Jørgen Bøytler ist es gelungen, alle Themen innerhalb der kurzen Zeit zu bewältigen. 

 

 

Die wichtigsten Themen und Entscheidungen


Seit der Einführung der Position des Unity Board Administrators im Jahr 2010, die Br. Jørgen Bøytler seither ausübt, hat sich die weltweite Unität deutlich verändert und zahlreiche Aufgaben sind hinzugekommen. Deshalb passt die Bezeichnung nicht mehr. Es wird beschlossen, die Funktion in Moravian Unity General Secretary umzubenennen. Außerdem wird die Schaffung einer zusätzlichen Teilzeitstelle für einen Assistenten oder eine Assistentin angestrebt. Voraussetzung dafür ist, dass die Finanzierung gesichert ist.

Der Vorstand der Moravian Unity Cultural Heritage Foundation (MUCHF), deren Gründung von der Unitätssynode 2023 beschlossen wurde, hat bereits mehrfach getagt. Für Administration, fachliche Begleitung und Mittelakquise wird Br. Jeffrey Long (Bethlehem, USA) angestellt. 

Bestätigt wurde die Anstellung von Br. Vojtěch Černy (Tschechische Unitätsprovinz) als Unity Youth Desk Coordinator. Er hatte diese Stelle bereits auf Interimsbasis übernommen. 

Es wurde beschlossen, dass die Unterstützung der Provinz Suriname bis zur Unitätssynode 2030 weiterhin die Priorität 3 der Aufgaben der Moravian Church Foundation (MCF) bleibt. 

Im Jahr 2028 soll eine weltweite Missionskonferenz stattfinden, die anhand der Vorgaben der Unitätssynode vorbereitet werden soll. Wegen knapper finanzieller Mittel wird eine geringere Teilnehmerzahl als bei der vorherigen Missionskonferenz in Kapstadt empfohlen.

Der ökumenische Tag der Schöpfung (The Feast of Creation in Christ) wird Anfang September in allen Provinzen gefeiert und in den gemeinsamen Kalender von Fest- und Gedenktagen der Brüder-Unität aufgenommen. Ebenfalls in diesen Kalender wird der Unitäts-Gebetstag aufgenommen, da er bisher nicht explizit in der Kirchenordnung erscheint, sondern nur die Unitäts-Kollekte. Er wird an einem Sonntag um den 1. März gefeiert. Außerdem wird nach einem Beschluss der Unitätssynode 2023 der erste Sonntag im Februar als Gebets- und Gedenktag an die Folgen der Sklaverei festgelegt. In unserer Provinz gilt wie in der Provinz Suriname der 1. Juli als Gedenktag an die Sklavereigeschichte. Das soll nicht geändert werden.

Im Bemühen um Frieden, Versöhnung und Gewaltlosigkeit beziehen sich die Christen auf Jesu Bergpredigt, die ungefähr auf das Jahr 30 datiert wird. Deshalb wird für 2030 ein ökumenisches Friedensfest geplant, das ein starkes Zeichen für Frieden setzen soll. Im Unity Board wird beschlossen, dass die Brüder-Unität sich als Teil der ÖRK-Gruppe „Historical Peace Churches and Moravians“ an den Vorbereitungen und an Friedensaktivitäten beteiligt.

Das vorläufige Missionsgebiet (Prospective Mission Area) Brasilien wird reguläres Missionsgebiet (Mission Area).

Im Blick auf das Jubiläumsjahr 2027 wurde über die verschiedenen Pläne der einzelnen Provinzen gesprochen, den Geburtstag der erneuerten Brüder-Unität zu feiern. Eine Einladung zur zentralen Feier in Herrnhut wurde vom Unity Board gemeinsam mit der gastgebenden Europäisch-Festländischen Provinz an die Provinzen ausgesprochen. Als offizielle Gäste wird aus jeder Provinz und Missionsprovinz jeweils eine Person eingeladen.

Zusätzlich zum ausführlichen schriftlichen Bericht der Direktorin des Sternberg gab es großes Interesse an weiteren Informationen und an einem Gespräch über die Situation der Menschen in der Westbank und die Arbeit des Star Mountain Rehabilitation Center. Geschwister in vielen Provinzen der Unität verfolgen die Nachrichten aus der Region mit Besorgnis und Mitgefühl und denken in der Fürbitte an die Menschen auf dem Sternberg.  
 

 

Wahlen


  • Unity Board Executive Committee (ab Januar 2027): David Bennett (Nordamerika), Algernon Lewis (Karibik und Lateinamerika), Lizwi Mtumtum (Afrika) und Roberta Hoey (Europa) 
  • Unity Board President (ab Januar 2027): Lizwi Mtumtum, Stellvertreter: Algernon Lewis 
  • Wahl für vakante Stelle im MCF Board: Maikel Boksteen (Niederlande)

 

 

Raimund Hertzsch ist Mitglied der Kirchenleitung
der Europäisch-Festländischen Provinz
der Herrnhuter Brüdergemeine

 

Artikel veröffentlicht am 18. September 2026

 

Artikel veröffentlicht am 18. September 2026