Suchtfrei leben
Einblicke in das Gefängnisleben
ein Artikel von Christian Flöter

Die Sonne scheint warm in Duben. Eine pittoreske Stimmung durchzieht das südbrandenburgische Dorf am Rande des Spreewalds mit seinen Pferdekoppeln und DDR-Gartenzäunen. In seinem Zentrum erhebt sich eine Fachwerkkirche aus dem 17. Jahrhundert. Ihre schlichte Gestaltung und bäuerliche Eleganz soll gestressten Autoreisenden Ruhe schenken. Tatsächlich ebbt der Geräuschpegel von Bundesstraße und Autobahn ab, als sich die Tür schließt. Zu hören ist nur noch ein sanftes Schlagen gegen das Kirchenfenster, einen dicken Brummer zieht es an diesem warmen Frühlingstag Anfang April nach draußen. Der Versammlungsplan lädt in diesem Monat lediglich zu einer Passionsandacht ein; für weitere Gottesdienste müssen die Dubener andere Kirchen der Umgebung ansteuern.
In der Stille des Hauses nehme ich mir Zeit für eine kurze Besinnung und öffne die Losungs-App. Der Lehrtext des Tages gibt dem Tag und meinem Erleben ein Thema: „Wenn wir unsere Schuld eingestehen, ist Gott treu und gerecht: Er vergibt uns die Schuld und reinigt uns von allem Unrecht, das wir begangen haben.“ Ein Satz, der in den kommenden Stunden nachhallen wird.
408 Einwohner leben dem Internetlexikon zufolge in Duben. Doch diese offizielle Zahl hat eine Leerstelle, denn am südwestlichen Rand des Dorfes, direkt hinter dem Ortsausgangsschild, steht ein wuchtiger Gebäudekomplex, ein Gefängnis mit Platz für 250 Insassen. Die meisten von ihnen: sogenannte „Langstrafler“, deren Verurteilungen zwischen fünf Jahren und lebenslanger Haft vorsehen. Das Dorf hinter den Gittern kennen sie nicht. Nie haben sie gesehen, wie die Sonnenstrahlen den Staub in der Kirche erleuchten. Und noch nie haben sie die weiten Felder durchstreift. Auch andersherum stimmt es: Wie das Leben hinter den Mauern aussieht, wird den meisten Menschen der Region genauso wenig bekannt sein.
Herzlicher Empfang an der Gefängnispforte. Auf den Weg durch die Sicherheitsschleusen führt Robert Holzenkamp, leitender Justizvollzugsbeamter in Duben. Seine fröhlich-offene Art lässt meine Anspannung rasch verschwinden. Ich bin zum ersten Mal in einem Gefängnis. Als Besucher wohlgemerkt, das beeinflusst die Perspektive ungemein. Während mein Aufenthalt nach drei Stunden vorbei ist, werden die Männer ihre Zellen erst nach Jahren verlassen können.
Dass ein Bericht aus dem Gefängnis möglich ist, hängt mit der demokratischen Grundordnung und dem Selbstverständnis des deutschen Justizsystems zusammen. Eine Lehre aus Zeiten autoritärer Regime ist es, Gefängnisse nicht als rechtsfreie Räume zu verstehen, die abgeschirmt von der Gesellschaft existieren. Eine Zensur findet nicht statt. Lediglich sicherheitsrelevante Informationen dürfen nicht in der Zeitschrift landen. Auch die Namen aller Gefängnisinsassen in diesem Artikel sind geändert.
Auf dem Weg zum Gefängnisflügel der Männer passieren wir einen Gesprächsraum. Der Beamte klopft an und begrüßt Gabriele Pottag. Genau wie ihr Mann Henry setzt sie sich regelmäßig ins Auto, um zwischen ihrer Wohnung in Forst und dem 70 Kilometer entfernten Duben zu pendeln. Ihr gegenüber sitzen zwei vom Drogenkonsum gezeichnete Frauen. Gabi, so wird sie sowohl in der Brüdergemein-Sozietät Forst als auch im Gefängnis genannt, ist hier ehrenamtlich aktiv. Ihre Aufgabe: Für die christliche Selbsthilfeorganisation „Blaues Kreuz“ zeigt sie Wege in ein Leben ohne Sucht auf.
Bereits seit dem Ende des 19. Jahrhunderts verbinden sich Christinnen und Christen zum Blauen Kreuz. Ihr Ansatz bei der Hilfe für Suchtkranke lautet seit jeher „Evangelium und Abstinenz – mit Jesus und ohne Alkohol“. Mittlerweile freilich führen neben Schnaps auch zahlreiche weitere Substanzen in zerstörerische Abhängigkeiten. Dass das Blaue Kreuz mit einer Hauptamtlichen und mehreren Ehrenamtlichen in Duben aktiv ist, sogar seit bald zwanzig Jahren eine Gefängnisstation prägt, verdankt sich einer Vereinbarung mit dem brandenburgischen Justizministerium. Die dahinterstehende Erfahrung ist, dass eine erfolgreiche Resozialisierung am ehesten gelingt, wenn schädliche Einflüsse beseitigt werden.
Bevor es auf die „Piste“ des Blauen Kreuzes geht, also in den Gefängnistrakt, setzen wir uns ins Dienstzimmer von Robert Holzenkamp. Hier wartet bereits Sven Dzierzon auf mich. Seine Arbeit ist von großem Nutzen, doch anders als Holzenkamp verdient er damit kein Geld. Und auch unter anderen Gesichtspunkten unterscheiden sich die beiden Männer: Robert Holzenkamp arbeitet als Beamter und unterwirft sich damit besonderen Regeln. Als Mitarbeiter im Gefängnis trägt er Verantwortung für strukturierte Abläufe, für die Umsetzung der Regeln – und auch für nötige Strafen bei Verstößen. Selbstverständlich gehört zu seiner Rolle als Justizbeamter auch eine gewisse respektvolle Distanz. Bei aller lockeren Stimmung auf der Station sprechen sich die Gefangenen und Holzenkamp einander stets mit „Sie“ an. Was ihm zu Ohren kommt, wird sich später auch in den Akten der Straftäter finden. Sven Dzierzon hingegen hat wie auch seine beiden ehrenamtlichen Mitstreiter Henry Pottag und Donald Klette das Privileg, Verschwiegenheit wahren zu können. Wenn Gefangene Einzelgespräche mit ihm führen, bröckelt dadurch mitunter die Fassade. Dann kommen auch Sorgen und Fragen auf den Tisch, Selbstzweifel und Reue. Ohne Angst, dass diese in der Akte landen oder zum Gespräch auf dem Gang werden. Von den Strafgefangenen werden die Ehrenamtlichen selbstverständlich mit Vornamen angesprochen. Aus diesem Grund heißen sie auch in dieser Reportage Sven, Henry und Donald.
Alle drei bringen etwas mit, das den Gefangenen der Blau-Kreuz-Station leider allzu vertraut ist: Sie sind suchtkrank. Wenn man etwa Henry über seine frühere Alkoholabhängigkeit berichten hört – seine Sucht trieb ihn bis zum Brennspiritus – kann man es nur als Wunder betrachten, dass er die extremen Phasen überlebt hat. Der Weg, sich von den Banden stofflicher Abhängigkeit zu lösen, ist eines der großen Themen in den Gruppenstunden. Was alle Teilnehmer mitbringen: Die Einsicht, abhängig zu sein, und der Wunsch, sich von der Sucht zu lösen. Denn das ist eine zwingende Voraussetzung, um auf die Station des Blauen Kreuzes ziehen zu dürfen.
Die Station des Blauen Kreuzes
Auf der Piste angekommen, versammeln sich alle Insassen mit Robert Holzenkamp, Sven und mir um einen großen Tisch mit Kaffee und Kuchen. Sie müssen sich gedulden, ehe sie zugreifen dürfen. Die Runde wird nämlich mit einem Tischgebet durch Sven eröffnet. - Ein staatliches Gefängnis mit Bibelkreis und Tischgebet wirft Fragen auf, denn augenscheinlich ist die Zusammenarbeit mit einer christlichen Organisation über das Angebot der Gefängnisseelsorge hinaus nicht selbstverständlich. Bei den Inhaftierten jedoch sind keine Vorbehalte zu erkennen. Zwar bezeichnet sich keiner von ihnen mir gegenüber als Christ und doch wird die Präsenz des Blauen Kreuzes offensichtlich allgemein hochgeschätzt. Auch in den persönlichen Gesprächen wird häufig mit Hochachtung von den Prinzipien der Blaukreuzler gesprochen. Deren Glaube, der zu großem persönlichen Einsatz führt, nötigt den Inhaftierten Respekt ab. Die einfache Sprache, die Männern wie Sven und Henry eigen ist, kommt an. Wenn sie aus ihrem Herzen heraus von der befreienden Botschaft erzählen, hören die Gefangenen genau zu. Svens in eigenen Worten formulierte Tischgebet schließt etwa die Hälfte der Insassen vernehmlich mit „Amen“ ab. Doch so fromm ist man hier nicht: Kurz darauf folgt der verschmitzte Kommentar, dass „Henry ja noch viel länger betet“ und man bei ihm überhaupt nicht zum Essen komme.
Nach der Gruppenrunde habe ich die Gelegenheit zu Einzelgesprächen mit Häftlingen. Hier treffe ich Marcel, einen sportlichen Mann Mitte zwanzig. Seit vier Jahren sitzt er in Duben ein, erst seit einer Weile hat er seine Zelle auf der Station des Blauen Kreuzes. An einer Wand gemalte Totenköpfe, an einer anderen das Poster eines Pin-ups. Doch ist das Klischee nicht die ganze Wahrheit – über dem Bett hängt auch eine Gitarre. Marcel spricht ruhig und mit einem Lächeln im Gesicht von seinem Traum: Bevor er eingefahren ist, war er Techno- und House-DJ in Berlin. Gerne würde er daran anknüpfen und nach der Haft Profimusiker werden. Es müsse ja nicht die große Karriere sein, aber ein bisschen Geld mit Musik zu verdienen, wäre doch schön. Ja, ein Kreativraum fehle ihm im Knast, ein Ort, an dem er sich an verschiedenen Instrumenten ausprobieren könne. Immerhin lähmen ihn die Drogen nicht mehr, das eröffnet Marcel neue Horizonte. Nicht der einzige Nutzen seiner neugewonnenen Abstinenz: Während er vorher all sein verfügbares Geld für Rauschmittel ausgegeben habe, könne er sich nun auch endlich etwas Gemüse leisten.
Gutes, gesundes Essen ist nicht allein für Marcel wichtig geworden. In der Häftlingsküche, einem schmalen Raum mit einer einfachen Herdplatte, wird eifrig Gemüse geschnippelt. Mehrere Häftlinge haben sich zu Kochgruppen zusammengeschlossen. Durch das Gewusel in der Küche und die Begegnungen der Bewohner auf den Gängen und in den Zellen, deren Türen tagsüber offenstehen, entsteht beinahe der Eindruck einer Studenten-WG. Mit einem sichtbaren Unterschied: In der Küche ist es blitzblank sauber und alles liegt und hängt an seinem Platz. Ordnung und Vertrauen sind zwei hohe Güter auf der Station. So sauber und kollegial wie hier sei es sonst nirgends in der JVA, berichten mir mehrere meiner Gesprächspartner.
Für Marcel begann der Weg auf die Station mit Besuchen durch Judith Aillaud. Sie arbeitet hauptamtlich für das Blaue Kreuz und spricht auch mit Gefangenen anderer Stationen. Mit ihr konnte Marcel seine persönlichen Gedanken teilen, die aktuelle Lebenssituation auswerten und Pläne für die Zukunft besprechen. – Derweil wartet seine Freundin außerhalb des Gefängnisses auf ihn. Vor ein paar Monaten noch hat sie Marcel ein Ultimatum gestellt: Wenn er sein Leben nicht in den Griff bekomme, folge die Trennung. Diese Ansage und mehrere Gespräche mit Judith brachten ihn endlich dazu, sich seine eigene Abhängigkeit einzugestehen und ihr den Kampf anzusagen.
Schwere Jungs im Bibelkreis
Schnell wird deutlich: Die Station des Blauen Kreuzes in der JVA Luckau-Duben ist außergewöhnlich. Offene Zelltüren, das kollegiale, gewaltlose Miteinander der Gefangenen, Drogenabstinenz und ein intensives Arbeiten an sich selbst. Diese Aspekte werden mir in den Gesprächen mit den Gefangenen genannt, als ich nach Unterschieden zu den anderen Zellentrakten im Haus frage. Wer hier eine der Zellen bewohnt, hat sich freiwillig dazu entschieden. Voraussetzung für die Aufnahme ist ein echter Wille, die eigene Sucht zu besiegen. Dazu gehört auch, bereits seit einem Vierteljahr drogenfrei zu sein, ehe man hierhin umziehen kann. Und clean zu bleiben! Denn wessen unangekündigter Drogentest positiv ausfällt, wird für drei Monate suspendiert.
Doch nicht nur innerhalb des Dubener Gefängnisses fällt die Station auf: Generell ist es untypisch, dass die Justiz und ein christlich-diakonisches Werk so eng zusammenarbeiten. Im Einvernehmen mit dem brandenburgischen Justizministerium ist das Programm „Suchtfrei leben“ entstanden. Dessen Kernelement ist der Grundkurs „Sucht“: In zwanzig Einheiten wird erspürt, was hinter Abhängigkeiten steht, wie sie sich zeigen, was sie bewirken. Die Teilnehmer werden herausgefordert, sich mit eigenen Prägungen und Risikofaktoren auseinanderzusetzen. Ganz konkret ist die Sucht für jeden der Straffälligen ein wesentlicher Grund dafür, dass er einsitzt. Sei es, dass er gedealt hat oder zur Drogenbeschaffung kriminell geworden ist.
Silvio, ein bulliger Mann Mitte vierzig, zeigt mir seinen dicken Ordner. Das darin enthaltene Unterrichtsmaterial fordert konkrete Reflektionen ein. Als ich ihn frage, was das Ausfüllen der Fragebögen mit ihm mache, wird Silvio ruhig. Ein kurzes Durchatmen, dann spricht er leise über seine Erfahrungen: Für die Arbeit an der Persönlichkeit brauche es einen ehrlichen, ungeschönten Blick auf das eigene Leben. Das stehe im Widerspruch zu dem antrainierten Verhalten, das er vor seiner Inhaftierung an den Tag legte. Damals regierten noch rohe Gewalt und Selbstüberschätzung.
Neben den verpflichtenden Vorträgen, Gruppenstunden und Einzelgesprächen nehmen manche der „schweren Jungs“ auch das Angebot der Bibelstunden wahr. Stefan etwa. Einmal wöchentlich setzt er sich mit Henry in einen Gesprächsraum. Gläubig sei er nicht, doch interessiere ihn, „wie das alles zusammenhängt“. Wenn Henry mit leuchtenden Augen von der befreienden Kraft durch Jesus erzählt, biblische Geschichten nacherzählt und einordnet, wird seine Stimme noch kräftiger und eindringlicher als sonst. So manche Erzählung werde aus der Perspektive eines „Knackis“ erst richtig lebendig und nachvollziehbar. Ohnehin gehe es in der Bibel um die gleichen Themen wie heute: Gewalt und Vergebung, Versagen und Erlösung, Eigensinn und Gottesnähe. Kein Wunder also, dass auch Männer, die sich als Atheisten bezeichnen, Anknüpfungspunkte finden und sich verstanden fühlen.
Stefan, ein eloquenter Mann Anfang vierzig, berichtet frei vom Auf und Ab seines Lebens, aus dem nun schon die zweite langjährige Haftstrafe resultierte. Aufgewachsen in einem behüteten Elternhaus, kam er als Teenager an die falschen Freunde. Mit dreizehn begann er zu kiffen, bald folgten harte Drogen. Damit sei er in den Neunzigerjahren Teil der gängigen Jugendkultur in den ländlichen Strukturen Südbrandenburgs gewesen. Seine Lehrer und andere Erwachsene hätten damals naiv und orientierungslos über das gesellschaftliche Problem hinweggesehen. Nach dem Abschluss der 10. Klasse ging es für Stefan zweigleisig weiter: Er begann eine Ausbildung und arbeitete zuverlässig. Hinter der bürgerlichen Fassade verborgen, wurde er daneben auch zum gefragten Dealer. Es war der Reiz des schnellen Geldes, der ihn immer weiter in die Illegalität trieb. „Ich war fast Millionär“, doch bald ging es für neun Jahre ins Gefängnis. Bloß brachte selbst die lange Haftstrafe kein Umdenken.
Rückblickend sagt Stefan, dass er seinen Schmerzpunkt noch nicht erreicht hatte. Das sei nun anders: Kurz vor seinem erneuten Haftantritt ist er Vater geworden. Nur die ersten drei Lebensmonate seines Kindes konnte er begleiten, mittlerweile ist es vier Jahre alt. Große Reue spürt er deswegen gegenüber seiner Familie. Sie hält treu zu ihm. Nicht noch einmal möchte er sie enttäuschen. Von seinen vermeintlichen Freunden hingegen ist kaum jemand übriggeblieben. „Das ist auch gut so“, sagt Stefan. „Ohne Kontakte in die Drogenszene fällt der Neustart leichter.“
Es wird Abend in Duben, noch eine halbe Stunde bis zur Abfahrt des letzten Busses. Robert Holzenkamp begleitet mich wieder durch die Sicherheitsschleusen nach draußen. Bei den Schritten über die leeren Flure hallen die Begegnungen nach. Ich habe niemanden gefragt, aufgrund welcher Tat er einsitzt. Wichtiger waren die Hoffnungen und Vorstellungen vom Leben – im Gefängnis genauso wie zukünftig draußen. Meine Gesprächspartner träumen davon, gute Väter und verlässliche Partner zu sein. Sie wollen ihre Familien nicht mehr enttäuschen. Allen ist bewusst, was der wichtigste Schritt auf dem Weg dahin ist: Weg von den Drogen!
Christian Flöter ist Redakteur des Herrnhuter Boten.
Er lebt in Herrnhut.

Gabi, wie bist du zum Blauen Kreuz gekommen?
Abhängig war ich selbst nicht, doch mit Henry bin ich oft zu den Treffen gegangen. Er wurde dann 1987 zum Ansprechpartner für die Gruppe in Forst und damit war auch ich immer mit dabei.
Wie kam es dazu, dass du im Gefängnis mitarbeitest?
Henry ist schon lange ehrenamtlich in Duben aktiv. 2018 fragte mich Robert Holzenkamp, ob auch ich mitarbeiten würde. Als Corona uns zu Einzelgesprächen zwang, wurde mir deutlich, dass dieses Format viel mehr bringt als die Gruppenstunden vorher. Hier können die Frauen ihre persönliche Not loswerden und ich kann ein Stück mit ihnen unterwegs sein. Wenn es dran ist, spreche ich dabei auch vom Evangelium.
Nimmst du Interesse an Glaubensfragen wahr?
Na ja, es ist unterschiedlich. Mancher hat sich eine Bibel geben lassen und liest ab und zu drin.
Wie weit sich die Frauen für den Glauben öffnen, kann ich nicht sagen. Das muss jeder für sich klären.
Welche Erfolge hast du erlebt?
Zu vielen ehemaligen Gefangenen bleibt auch nach der Entlassung der Kontakt erhalten. Deswegen weiß ich, dass es einige geschafft haben, aus ihrer Sucht rauszukommen. Aber leider sind auch manche wieder zurück im Gefängnis.
Wurdest du schon einmal bedroht? Wolltest du schon mal hinschmeißen?
Nein! Noch nie gab es brenzlige Situationen, auch bei Henry nicht. Man macht sich höchstens wegen des Alters Gedanken, wie lang man das noch schafft. Herrn Holzenkamp habe ich damals gesagt, dass ich mit 75 aufhöre. (lacht) Das wäre dann in einem Jahr.
Was gibt dir Kraft für die Arbeit?
Gottes Zusage, dass er uns für die Arbeit in seinem Reich beruft.
Und wichtig ist für Henry und mich, dass wir beide den Weg gemeinsam gehen. Gott schenkt uns immer wieder Zeiten füreinander. Da können wir es auch gut verkraften, mal alleine zu Hause zu sitzen, weil der andere gerade wieder in Duben ist.
Erfährt eure Arbeit Unterstützung durch die Sozietät der Brüdergemeine in Forst?
Ja, die Gemeinde packt mit an, wenn wir in Forst Einkehrtage vom Blauen Kreuz haben. Aber vor allem sind wir dankbar für die Begleitung im Gebet.
Das Interview führte Christian Flöter, Herrnhut
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