MudMates
Kirche darf auch mal dreckig sein
von Bernd Schwenkschuster
Kurz nach dem Start schon das erste Hindernis: Er nimmt Anlauf. Die Blicke treffen sich. Durchatmen. Konzentrieren. Durchstarten. Sie streckt ihm die Hand entgegen. Er läuft die Steigung an, ergreift die Hand, sie zieht ihn hoch. Beide strahlen. Glücklich, dass sie es geschafft haben. Er dreht sich um. Schaut nach hinten. Der Blick trifft den der nachfolgenden Läuferin. Er geht in die Knie, streckt ihr die Hand entgegen. Durchatmen. Konzentrieren. Sie startet. Die Hände greifen ineinander …
Mit der Evangelisch-methodistischen Kirche verbindet uns eine schöne Kirchenverwandtschaft. In diesen Wochen möchten wir mehr über unsere Geschwister und ihre Art, den Glauben zu leben, erfahren. Spoiler: Der Gemeindealltag sieht häufig ganz ähnlich aus wie in der Herrnhuter Brüdergemeine. Aber dann gibt es auch ein paar beeindruckende Praxisbeispiele, die zeigen, wie Kirche ganz neu gedacht werden kann. Eines davon: MudMates!
Wie kirchlich Engagierte eine Schlammschlacht organisieren, die allen Beteiligten große Freude macht, berichtet der folgende Beitrag.
Egal, ob bei den 25 Hindernissen auf der 10 zehn Kilometer langen Strecke oder bei den 250 ehrenamtlichen Mitarbeitern, die diesen Hindernislauf bei Metzingen gemeinsam organisiert und durchgeführt haben. 18 Monate dauerten die Vorbereitungen dieses dritten Laufes, nachdem schon die Läufe 2019 und 2022 sehr gut angenommen worden waren. 2.500 Starter, die Anmeldungen beim Kinderlauf mussten bei 500 Kindern geschlossen werden, drei Streckenverläufe, unterschiedliche Hindernisse für unterschiedliche Altersgruppen. Und ungefähr 7.000 Zuschauer beim Start und Ziel und an der Strecke.
Doch von vorne: MudMates ist ein Teamhindernislauf, der von der Evangelisch-methodistischen Kirche Metzingen organisiert und durchgeführt wird. Die Hindernisse sind so konzipiert, dass sie nur im Team gemeinsam zu überwinden sind. Denn MudMates ist ein bisschen wie das Leben selbst. Man weiß nie, was auf einen zukommt. Es geht bergauf und bergab und immer wieder gibt es Dinge, die sich einem in den Weg stellen. Was dem einen schwerfällt, ist für die andere ganz leicht – und umgekehrt.
Eins aber können alle MudMates bestätigen:
„Zusammen ist fast alles möglich!“
Gemeinsam können aus verrückten Ideen Pläne werden, aus Plänen konkrete Ausarbeitungen und aus Visionen Realität. Das haben wir als Evangelisch-methodistische Kirche Metzingen in den letzten Jahren schon an unterschiedlichen Stellen erleben dürfen. Aus der Vision, ein altes Kirchengebäude zu einem Ort der Begegnung mit integrierter Kletterwand zu gestalten, wurde die „h3 Kletteranlage Metzingen“ – mit ca. 10.000 Besuchern jährlich. Komplett über Ehrenamtliche betrieben. H3 steht für Hochklettern, Herunterkommen und Halt finden. Weil wir gerne klettern, Kaffee trinken und davon überzeugt sind, dass uns neben unseren sozialen Beziehungen auch unser Glaube Halt geben kann.
Aus der Idee, gemeinsam Urlaub und Freizeit zu verbringen, entstand ein Sportcamp mit bis zu 70 Teilnehmern am Fluss Soca in Slowenien.
„Zusammen ist fast alles möglich!“
Weil wir alleine manches Hindernis nicht oder nur schwer überwinden können, sind wir immer wieder auf Menschen und Partner angewiesen, die uns unterstützen und gemeinsam mit uns planen, denken, vorbereiten und den Erfolg feiern.
So haben auch wir uns für MudMates Partner und Freunde gesucht. Neben unterschiedlichen Kooperationspartnern, Sponsoren und Behörden konnten wir auch „Kirche und Sport“, die Integrationsbeauftragte der Stadt Metzingen sowie die Bruderhaus Diakonie für die Idee von MudMates begeistern. Nur durch ihre Mithilfe konnte MudMates 2024 wieder als inklusiver und integrativer Hindernislauf vorbereitet und geplant werden.
Und somit gesellschaftliche Hindernisse abgebaut werden.
Die Integrationsbeauftragte der Stadt Metzingen formulierte es im Nachgang so: „Wer MudMates erlebt hat und gesehen hat, dass es möglich ist, sogar einen Hindernislauf integrativ und ohne Barrieren zu planen und zu gestalten, der findet keine Gründe mehr, Integration und Inklusion an anderer Stelle nicht genauso umzusetzen.“
Um die Klimabilanz solch einer Großveranstaltung etwas abzufedern, stellten wir für alle Starter die kostenfreie Anreise mit dem öffentlichen Nahverkehr zur Verfügung und pflanzten pro Startteam einen Baum. Das ehrenamtliche Küchenteam aus drei Gemeinden der Evangelisch-methodistischen Kirche verpflegte die Zuschauer mit rein vegetarischen Speisen zu fairen Preisen: Falaffelburger, Chili sin Carne und frische Käsespätzle und natürlich Pommes als „Geht-immer-Klassiker“ machten alle hungrigen Mägen satt.
„Zusammen wird fast alles möglich!“
Wieso sollte eine Kirchengemeinde einen Hindernislauf organisieren? Wir wünschen wir uns, dass ganz unterschiedliche Menschen erleben, welche Bereicherung es ist, gemeinsam unterwegs zu sein. Von daher wollen wir Menschen in Beziehung zueinander bringen – das Zusammen stärken. Viele der ehrenamtlichen Mitarbeiter und auch der Läufer bei MudMates sind als Einzelne gekommen und als Team gegangen. Eine Gruppe hatte die Aufgabe, Gelegenheiten zur Begegnung von MudMates-Mitarbeitern untereinander und mit weiteren Mitgliedern der Gemeinde zu organisieren.
Ein anderes Team übernahm die Aufgabe, Menschen mit Assistenzbedarf einzubinden und ihnen zu ermöglichen, bei MudMates mitzumachen. Insgesamt 18 Teams mit Inklusions-/Integrationsbedarf waren bei MudMates am Start. Personen im Rollstuhl oder mit Sehbehinderungen waren Teil der Teams. Es wurden jede Menge Beziehungen zu den und zwischen den Vereinen in Metzingen geknüpft, genauso wurde die Zusammenarbeit der ACK (Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen) gestärkt. Besucher und Läufer konnten das vielfältige Beziehungsangebot der Kirchen und Vereine in Metzingen kennenlernen. Am Veranstaltungstag selbst brachten sich viele Ehrenamtliche aus Metzingen und darüber hinaus ein.
Doch als Kirchengemeinde ist es uns ebenso wichtig, Möglichkeiten zu schaffen, in denen Menschen eine Beziehung zu Gott erleben und erlernen können. Während des Workcamps zum Aufbau der Hindernisse und des Laufes und an den Abenden am Lagerfeuer wurden viele Gespräche geführt, die über Smalltalk hinausgingen und existenzielle Lebensthemen berührten. Menschen aus sozialen Einrichtungen arbeiteten Hand in Hand mit Handwerkern und Ehrenamtlichen. Der wertschätzende Umgang miteinander wurde uns von einigen Sozialarbeitern zurückgespiegelt – weil ihre „schwierigen“ Jugendlichen beim Abschied nach der gemeinsamen Zeit Tränen in den Augen hatten und fragten, ob sie nächstes Mal wieder dabei sein könnten.
Bei manchen MitarbeiterInnen ist das Interesse gewachsen, diesen Gott näher kennenzulernen, der da bei MudMates, wenn auch im Hintergrund, immer präsent war und der die Lebensgrundlage vieler MitarbeiterInnen ist. Und unsere Erfahrung hat gezeigt, dass es leicht ist, Beziehungen entstehen und wachsen zu lassen, wenn wir gemeinsam an einem großen Projekt arbeiten.
Als EmK Metzingen ist es unser Anliegen, Beziehungen zu schaffen, die das Leben und die Welt verändern. Mit MudMates konnten wir zeigen, dass Kirche gesellschaftlich relevant ist und dass wir als Gemeinde nicht nur für uns selbst und unser eigenes „Seelenheil“ interessieren, sondern auch für die Menschen „da draußen“. Wir wollen ihnen dort begegnen wollen, wo sie gerne sind – quasi mitten in ihrem Leben.
Wir sehen MudMates somit als ein Puzzleteil unserer Gemeindearbeit und freuen uns, am 21. September 2026 in Reutlingen auf dem Gelände des MotorSportClubs mit „MudMates 4 more“ neu durchzustarten …
Bernd Schwenkschuster ist Pastor
der Evangelisch-methodistischen Kirche
im Bezirk Metzingen
Alle Fotos © MudMates
weiterführende Links zum Thema
Artikel veröffentlicht am 13. Februar 2026
Artikel veröffentlicht am 13. Februar 2026








