Opfern eine Stimme geben
Holocaustgedenken in Herrnhut
von Günther Kreusel
Am 27. Januar, der im Gedenken an die Befreiung des Konzentrationslager Auschwitz durch die Rote Armee am 27.1.1945 als „Internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust“ begangen wird, fand auf Einladung der Evangelischen Zinzendorfschulen und in Zusammenarbeit mit der Stadt Herrnhut und der Brüdergemeine eine Gedenkfeier auf dem Gottesacker statt.
Schüler und Schülerinnen der zehnten Klassen, Mitglieder aus den verschiedenen Herrnhuter Gemeinden und Vertreter der Stadt versammelten sich am Gedenkstein, auf dem mit den Jahreszahlen 1933 und 1945 sowie der Umschrift „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Führe uns nicht in Versuchung“ an die Opfer und an begangene Schuld während der nationalsozialistischen Herrschaft erinnert wird.
Drei Schülerinnen gedachten mit eigenen Worten des Leides von Jungen und Alten, Frauen und Männern und sprachen auch heutige Gefährdungen an. Etwa, dass es nicht nur um Erinnerung an Vergangenes geht, sondern dass in aktuellen Herausforderungen unser verantwortliches Handeln gefragt ist. Dass damals vielen jungen Menschen schon früh das Leben genommen wurde, kann uns entdecken lassen, welches Geschenk das Leben selbst ist, das es wahrzunehmen und einzusetzen gilt. Nach einem Votum des Bürgermeisters und dem gemeinsam gebeteten Vaterunser war Gelegenheit, dass jeder Einzelne eine Blume auf den Gedenkstein legen konnte.
Im Anschluss ging es im Kirchensaal der Brüdergemeine mit einem Programm weiter, das von Schülerinnen, Schülern und Lehrern vorbereitet worden war. Dabei ging es um Selma Meerbaum-Eisinger, die 1924 im damalig rumänischen Czernowitz geboren wurde und als verfolgte Jüdin mit 18 Jahren in einem Zwangsarbeitslager in Rumänien an Fleckfieber verstarb. Bekanntgeworden ist sie durch Gedichte, die sie seit ihrem 15. Lebensjahr geschrieben hat und die heute zur Weltliteratur zählen.
Neben einer Darstellung ihres Lebens- und Leidensweges rezitierten und sangen Schülerinnen und Schüler Gedichte von ihr, begleitet durch einfühlsame Tonfolgen und einmal auch aufgenommen durch einen Tanz.
In ihren Gedichten hat Selma Meerbaum sowohl einer verlorenen Generation eine Stimme gegeben als auch Gefühle und Stimmungen einer jungen Generation überhaupt dargestellt.
Zu sehen waren auch Aquarelle, die im Unterricht in Aufnahme der Lebensgeschichte und der Gedichte von Selma Meerbaum gemalt worden waren. Sie sollen im Weiteren auch in der Schule ausgehängt werden.
Mit dem Lied „We shall overcome“, gesungen im großen Chor, wurde die eindrückliche Gedenkstunde abgeschlossen.
Günther Kreusel ist Pfarrer im Ruhestand.
Er lebt in Herrnhut.
Poetry zum Holocaustgedenktag
Heute ist der Tag, an dem wir zurückdenken,
zurück an die vergangene Zeit und an die,
deren Leben nicht von langer Dauer bleibt.
Viele wurden nicht viel älter als wir,
doch uns bedeutet es so oft nicht viel.
Die Bedeutung von Leben geht oft unter
zwischen Schulaufgaben und Versagen,
aber eigentlich ist es das Einzige was wir tragen.
Der Impuls, einfach zu atmen,
und das, ohne jemandem zu schaden.
Wir leben in einer Welt, in der es nicht zählt,
was wir glauben oder wie wir ausschauen,
nein, wir dürfen einfach sein.
Anders als die Leute damals.
Es gab keine Chancen für alle oder für Freiheit, nein,
all das ist ein Geschenk in der heutigen Zeit.
Heute ist es normal, zu lernen und zu leben,
ganz egal, welch ein Aussehen.
Damals war man – wenn anders – so, wie abgesondert.
Ich bin dankbar, nicht damals zu leben,
doch man darf nicht einfach wegsehen.
Weg von all dem Leid, was geschehen.
Ganz egal ob Kleinkind, Frau oder Mann,
es ist schlimm, welche Taten damals an ihnen
von den Nazis begangen.
Heute wollen wir ein Zeichen setzen,
bewusst hinschauen und das Damalige nicht verstecken.
Ganz egal, ob Rassismus oder Antisemitismus,
es ist und bleibt Hass auf Menschen,
die genauso leben wie du und ich.
Also verurteile sie nicht!
Schau hin und setz das Zeichen.
Lieber einmal mehr was sagen,
als wegschauen und mit hauen.
Denn was damals geschehen,
ist nicht nur mal so geschehen.
Es war mehr dahinter,
doch wir sind nur am Wegsehen.
Mit so viel Leid und Hass, das alles vergangen,
wollen wir unsere Zukunft nicht vergrauen,
sondern lieber schnell mal wegschauen.
Doch damit ist niemandem geholfen.
Nicht mir und auch nicht dir.
Aber vielleicht sollte mal geschaut werden,
was es damals für die Leute eigentlich bedeutete,
anders als die Norm zu leben und zu ihren Rechten zu stehen.
Wir vergessen die großen Zahlen und schauen nur auf manche,
doch es waren eigentlich so viele.
Es ist wichtig, den Einzelnen nicht zu vergessen,
aber dabei sollten wir auch auf die Masse blicken.
Nicht nur ein oder zwei,
nein mehr als sechs Millionen starben
aufgrund von Hass und Rebellion.
Ohne Wissen ging es in die Kammern,
ohne das Wissen, je wieder leben zu können.
Seine Liebsten zu halten; es ist nur ein Anhalten.
Die Luft bleibt weg und mehr kommt nicht.
Ein paar Namen ohne Gesicht.
Die große Zahl an Namen passt nicht mal in ein Gedicht.
Es wären zu viele, also lassen wir es verschwiegen.
Ist es das, was wir wollen?
Unser Blick aus dem Fenster;
ein Nie-wieder; nur leere Gräber.
Denn so unwürdig sie begraben,
lagen sie in Mengen zugedeckt unter der Welt.
Ohne Würde, einfach weg.
So lasst uns heute an jeden Einzelnen denken,
eine Träne vergießen und hinsehen, was damals geschehen.
Jeder Einzelne hatte sein Leben und keine Wahl,
wie es hatte auszugehen.
Also nicht mehr wegsehen,
sondern jeden Einzelnen ansehen und schauen,
dass all das nicht nochmal gescheh‘.
Dieses Gedicht trug Deborah Jael Nováková,
Schülerin der Evangelischen Zinzendorfschulen Herrnhut,
bei einem Redebeitrag am Gedenkstein vor.
Poetry zum Holocaustgedenktag
Heute ist der Tag, an dem wir zurückdenken,
zurück an die vergangene Zeit und an die,
deren Leben nicht von langer Dauer bleibt.
Viele wurden nicht viel älter als wir,
doch uns bedeutet es so oft nicht viel.
Die Bedeutung von Leben geht oft unter
zwischen Schulaufgaben und Versagen,
aber eigentlich ist es das Einzige was wir tragen.
Der Impuls, einfach zu atmen,
und das, ohne jemandem zu schaden.
Wir leben in einer Welt, in der es nicht zählt,
was wir glauben oder wie wir ausschauen,
nein, wir dürfen einfach sein.
Anders als die Leute damals.
Es gab keine Chancen für alle oder für Freiheit, nein,
all das ist ein Geschenk in der heutigen Zeit.
Heute ist es normal, zu lernen und zu leben,
ganz egal, welch ein Aussehen.
Damals war man – wenn anders – so, wie abgesondert.
Ich bin dankbar, nicht damals zu leben,
doch man darf nicht einfach wegsehen.
Weg von all dem Leid, was geschehen.
Ganz egal ob Kleinkind, Frau oder Mann,
es ist schlimm, welche Taten damals an ihnen
von den Nazis begangen.
Heute wollen wir ein Zeichen setzen,
bewusst hinschauen und das Damalige nicht verstecken.
Ganz egal, ob Rassismus oder Antisemitismus,
es ist und bleibt Hass auf Menschen,
die genauso leben wie du und ich.
Also verurteile sie nicht!
Schau hin und setz das Zeichen.
Lieber einmal mehr was sagen,
als wegschauen und mit hauen.
Denn was damals geschehen,
ist nicht nur mal so geschehen.
Es war mehr dahinter,
doch wir sind nur am Wegsehen.
Mit so viel Leid und Hass, das alles vergangen,
wollen wir unsere Zukunft nicht vergrauen,
sondern lieber schnell mal wegschauen.
Doch damit ist niemandem geholfen.
Nicht mir und auch nicht dir.
Aber vielleicht sollte mal geschaut werden,
was es damals für die Leute eigentlich bedeutete,
anders als die Norm zu leben und zu ihren Rechten zu stehen.
Wir vergessen die großen Zahlen und schauen nur auf manche,
doch es waren eigentlich so viele.
Es ist wichtig, den Einzelnen nicht zu vergessen,
aber dabei sollten wir auch auf die Masse blicken.
Nicht nur ein oder zwei,
nein mehr als sechs Millionen starben
aufgrund von Hass und Rebellion.
Ohne Wissen ging es in die Kammern,
ohne das Wissen, je wieder leben zu können.
Seine Liebsten zu halten; es ist nur ein Anhalten.
Die Luft bleibt weg und mehr kommt nicht.
Ein paar Namen ohne Gesicht.
Die große Zahl an Namen passt nicht mal in ein Gedicht.
Es wären zu viele, also lassen wir es verschwiegen.
Ist es das, was wir wollen?
Unser Blick aus dem Fenster;
ein Nie-wieder; nur leere Gräber.
Denn so unwürdig sie begraben,
lagen sie in Mengen zugedeckt unter der Welt.
Ohne Würde, einfach weg.
So lasst uns heute an jeden Einzelnen denken,
eine Träne vergießen und hinsehen, was damals geschehen.
Jeder Einzelne hatte sein Leben und keine Wahl,
wie es hatte auszugehen.
Also nicht mehr wegsehen,
sondern jeden Einzelnen ansehen und schauen,
dass all das nicht nochmal gescheh‘.
Dieses Gedicht von Deborah Jael Nováková,
Schülerin der Evangelischen Zinzendorfschulen Herrnhut,
wurde von ihr am Gedenkstein vorgetragen.







