100 Jahre VEF
Als Evangelische Freikirchen vereinigt
von Martin Gundlach

Der Zusammenschluss vieler Freikirchen feiert ein rundes Jubiläum. Seine Aufgaben? Er bündelt die Anliegen seiner Mitglieder, schafft Begegnungen mit anderen Kirchen und erklärt freikirchliche Vielfalt. Ein Überblick von Martin Gundlach.
Während der Weimarer Republik, im Jahr 1926, schlossen sich einige Freikirchen zusammen, um Gesprächsgegenüber für die Landeskirchen zu sein. Diese hatten erst sieben Jahre zuvor ihre offizielle Rolle als Staatskirchen abgegeben. Die Zeit war reif für die Geburtsstunde der „Vereinigung Evangelischer Freikirchen“ (VEF). Wenn sie jetzt ihr Jubiläum feiert, gehören 15 Freikirchenbünde dazu [darunter die Evangelische Brüder-Unität im Status einer Gastkirche, Anm. d. Red.]. Trotz ihrer Vielfalt, oder vielleicht auch gerade deswegen, bewirkt sie eine Menge. Hier einige Beispiele.
Vor eineinhalb Jahren schloss die VEF mit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) eine Vereinbarung zur Predigtgemeinschaft ab. Sie ermutigt dazu, dass Predigende einer anderen Kirche oder Gemeinde gastweise zum Predigen eingeladen werden. Die dazu entstandene Handreichung mahnt zu einem respektvollen Umgang miteinander, zur Selbstzurücknahme, zur Gegenseitigkeit und zu einem konstruktiven Umgang mit Unterschieden. Das ist ein stiller Quantensprung in der Kirchengeschichte. Wo auf Ortsebene die Distanz zwischen Freikirchen und Landeskirchen groß ist, steht nun ein starkes Votum aus den Leitungsgremien, diese Gräben Schritt für Schritt einzuebnen. Ohne die VEF hätte jede einzelne Freikirche gesondert die Beziehungen mit der EKD pflegen müssen – und vermutlich wäre man noch längst nicht so weit.
Immer wieder gibt die VEF mit einer gemeinsamen Stimme einen Kommentar zu gesellschaftspolitischen Themen. Zuletzt hat man Worte gefunden, um sich gegen völkisches Denken auszusprechen. Auch an die Seite von Jüdinnen und Juden hier in Deutschland hat die Mitgliederversammlung der VEF sich öffentlich gestellt. Das kann man auf der Homepage nachlesen (www.vef.de). Dort findet man in den Stellungnahmen auch viele andere spannende Themen: Religionsfreiheit, Nachhaltigkeitsziele, Engagement gegen Antisemitismus und immer wieder Appelle, Flüchtlinge nicht zu vergessen.
Der Vernetzer
Damit die Vernetzung im politischen Berlin gelingt, ist Konstantin von Abendroth für die VEF unterwegs. Der ehemalige Pastor der Freien evangelischen Gemeinde „Berlinprojekt“ unterstützt Themen des christlichen Glaubens allgemein und insbesondere der Freikirchen im Bundestag. Was heißt das für die tägliche Arbeit?
„Viele meiner Gesprächspartner wissen nicht, dass es so viele Freikirchen gibt und sind ganz erstaunt, dass es da nicht nur um Gottesdienste geht, sondern dass einzelne Freikirchenbünde eigene diakonische Einrichtungen und sogar ganze Krankenhäuser betreiben. Auch das Wirken gegen Einsamkeit und für das gesellschaftliche Miteinander bringe ich in die Gespräche mit hinein. Am Anfang gibt es vielleicht bei dem einen oder der anderen noch ein fragendes Stirnrunzeln. Das verändert sich aber in der Regel zu Dankbarkeit und Respekt vor dem, was doch so vergleichsweise kleine Gruppen auf die Beine stellen.“
Er ist Hörender, Redender und Betender zugleich. Er selbst beschreibt das so: „Ich bin ein Pastor in der Politik. In den Sitzungswochen des Bundestages gibt es jeden Donnerstag und Freitag christliche Morgenandachten in der Kapelle neben dem Plenarsaal. Und da gehöre ich zu denen, die diese Andachten halten. Und letzte Woche hatte das Gebetsfrühstück für Abgeordnete einen Empfang, an dem ich teilgenommen habe. Da versuche ich sensibel zu hören und mit Worten zu ermutigen.“
Die Übersetzerin
Pünktlich zum Jubiläumsjahr wurde das kleine Team der Angestellten aufgestockt. Seit Januar 2026 leitet Pastorin Jasmin Jäger die Geschäftsstelle der VEF. Für die VEF war sie schon vorher die Rundfunkbeauftragte und ist jetzt auch die Pressesprecherin. Eine ihrer Hauptaufgaben ist es, treffende Worte zu finden: Bei Radioandachten im Deutschlandfunk oder bei Gottesdiensten, die aus freikirchlichen Gemeinden ausgestrahlt werden, steht die Kommunikation des Evangeliums im Vordergrund. Es gilt also, das Evangelium in die Sprache unserer Zeit zu übersetzen, den Glauben lebensnah auszudrücken und Hoffnungsgeschichten zu teilen. In der Geschäftsstelle gehört es zu ihren Aufgaben, die große Vielfalt der Freikirchen sichtbar und verständlich darzustellen.
Immer wieder geht es darum, für die einzelnen Kirchen den ersten Schritt zu gehen oder das Sprachrohr zu sein, wenn einzelne Kirchen alleine damit überfordert wären. „Ein Beispiel ist die Anlaufstelle für Betroffene sexualisierter Gewalt. Da hat jede Freikirche inzwischen eine eigene bzw. ist Teil einer gemeinsamen Anlaufstelle, die durch die VEF entstanden ist. Trotz der Unterschiedlichkeiten der einzelnen Freikirchen gibt es viele Themen, zu denen wir gemeinsam Stellung nehmen und mit einer Stimme sprechen.“
Die Ehrenamtler
Viele andere sind ehrenamtlich für die VEF unterwegs oder integrieren die Arbeit in ihre sonstigen Tätigkeiten. So auch Marc Brenner. Er ist Pastor und Präses der pfingstkirchlichen Freikirche „Gemeinde Gottes“ und zugleich der Präsident der VEF.
Er setzt sich gerne für die Zusammenarbeit mit den anderen Kirchen ein: „Die VEF ist zum einen ein wertvoller Beitrag zur Einheit von Christinnen und Christen, zum anderen tut es auch unserer Gesellschaft gut, wenn es ein Miteinander trotz Unterschieden gibt. Darüber hinaus bietet die VEF in ganz praktischen Fragen einzelnen Freikirchenbünden Unterstützung.“
Die Struktur
Zwei Mal im Jahr treffen sich die Delegierten der Freikirchen zur Mitgliederversammlung, bei der sie richtungsweisende Entscheidungen treffen. Darüber hinaus treffen sich Mitglieder aus den verschiedenen Freikirchen in neun Arbeitsgruppen. Da geht es zum Beispiel um Medien- und Öffentlichkeitsarbeit, Mission oder die Jugendarbeit der einzelnen Freikirchen. Und immer um die Frage, wie man durch Zusammenarbeit Synergien schaffen kann.
Die VEF hat außerdem weitere Beauftragte. So ist zum Beispiel Pastor i.R. Frank Fornaçon als Kirchenasylbeauftragter Ansprechpartner für die Gemeinden.
Die Feier
Am 29. April 2026 feiert die VEF ihren 100. Geburtstag. Dazu wird eine Festschrift erscheinen, die Geschichte und Gegenwart zusammenbringt. Die Festveranstaltung am 29. April wird um 18 Uhr in der Lukas Gemeinde Berlin gefeiert. Sie wird live auf Youtube gestreamt, sodass weitere Interessierte online daran teilnehmen können.
Martin Gundlach ist Redaktionsleiter von AUFATMEN.
Dieser Artikel ist zuerst in der Zeitschrift AUFATMEN 01/2026 erschienen,
die vom SCM Bundes-Verlag herausgegeben wird.
Weitere Informationen unter www.vef.de
Hier kann auch die Festschrift bestellt werden.

