Tagung der Deutschen Comenius-Gesellschaft



ein Bericht von Erdmann und Benigna Carstens

 

 

Anfang November kamen Mitglieder und Freunde der Deutschen Comenius-Gesellschaft in Erfurt zu ihrer Tagung und Mitgliederversammlung zusammen. Das Ereignis verdient eine Hervorhebung, weil es das erste Präsenztreffen nach fast zwei Jahren war. Ein Konflikt hatte Ende 2023 zu Aus- und Rücktritten geführt. Durch einen neuen Vorstand wurden ab Februar 2024 Schwierigkeiten gelöst und die Arbeit neu geordnet, so kam das Comenius-Projekt wieder in Fahrt.

 

Johann Amos Comenius (1592–1670) ist in der Brüdergemeine kein Unbekannter, war er doch der letzte Bischof der Alten Brüder-Unität (Unitas Fratrum), aus der sich in Herrnhut später die heutige Brüdergemeine gründete. Zinzendorf wurde 1737 selbst von Daniel E. Jablonski, einem Enkel des Comenius, zu einem Bischof ordiniert.

Man muss aber nicht nur in die Vergangenheit schauen. Mit neun Liedern ist Comenius im aktuellen Gesangbuch der Brüdergemeine vertreten und auch sonst gibt es reichlich Anknüpfung, zu drängenden Fragen der Gegenwart bei Comenius Rat zu suchen, dem Universalgelehrten und Vordenker der Aufklärung.

International ist Comenius vor allem als hervorragender und immer noch maßgebender Pädagoge und Didaktiker bekannt. Sein humanistisches Menschenbild ist Basis für alle neuzeitliche Pädagogik. Auch der Gedanke der Völkerverständigung hat in seinen pansophischen Überlegungen einen wichtigen Platz, und verschiedentlich war er auch konkret an politischen Verhandlungen oder Hintergrundgesprächen während der Wirren des Dreißigjährigen Krieges beteiligt.

Umso erfreulicher ist es, dass in der Deutschen Comenius-Gesellschaft e. V. auch das Vermächtnis des Bischofs und des Theologen J. A. Comenius bewahrt wird. Ganz in seinem Sinne ist es, die verschiedenen Dimensionen des Lebens, das Pädagogische, das Gesellschaftliche (Politische) und die Dimension des Glaubens zusammen zu denken und als sich gegenseitig bedingend zu verstehen.

In Erfurt waren 24 teils ganz neue, teils langjährige Mitglieder und Freunde der Gesellschaft zusammengekommen. Auf verschiedene Weise, als Pädagogen, als Hochschullehrer, als Pfarrerinnen, als international Tätige, als Forscher widmen sie sich der Weitergabe des Comenius-Erbes und zeigen, wie vielfältig es bis auf den heutigen Tag im Alltag fruchtbar werden kann.

 

 

 

Vier Fachvorträge standen unter dem Tagungsthema „J. A. Comenius und die Erneuerung der menschlichen Angelegenheiten“. Prof. Andreas Fritsche, Berlin, erinnerte zu Beginn an Comenius‘ Lebensetappen in ihrem kulturgeschichtlichen Umfeld. Den Ball griff Prof. Dr. Friedhelm Schütte, Berlin, auf, indem er Comenius als Pädagogen zur Zeit eines gesellschaftlichen Paradigmenwechsels in Beziehung setzte zu den Wandlungen der modernen Berufsbildung. Vor dem Hintergrund von Bemühungen um Versöhnung und dem kommenden Jahrestag der Versöhnung in Herrnhut-Berthelsdorf 1727 beschäftigte sich Pfrin. Benigna Carstens, Dresden, mit Comenius‘ Skizze einer Methodik für Versöhnung aus dem Jahre 1645. Der Entwurf war als Beitrag für die Bemühungen um einen Konfessionsfrieden in Polen gedacht. Es wird darin deutlich, dass auch für die Verwirklichung der Vision einer allumfassenden Völkerverständigung Versöhnungsarbeit unerlässlich ist. Hier schloss der letzte Vortrag zur immer noch nicht breit gewürdigten ökumenischen Bedeutung des Comenius von Pfr. i. R. Manfred Richter an, der diesem Thema in den letzten Jahren zwei Aufsatzsammlungen gewidmet hat.

 

Ein Teil der Tagung diente der Mitgliederversammlung, wo der geschäftsführende Vorstand und Beisitzer neu gewählt wurden. Dabei konnte auch die gerade fertig gestellte Webseite der Gesellschaft präsentiert werden, auf der die Personalien wie auch künftige Termine und Projekte im Einzelnen nachgeschaut werden können.

Die Deutsche Comenius-Gesellschaft ist 1993 in Berlin neu gegründet worden, u. a. durch Personen aus der Brüdergemeine in Neukölln und in naher Verbindung zur dortigen Pflege des comenianischen Erbes, z. B. in Gestalt des bekannten Comenius-Gartens im Böhmischen Dorf.

Die Comenius-Gesellschaft versteht sich nicht als historischer Verein, sondern will den Austausch zu heutigen Fragen des menschlichen Miteinanders befördern. Deshalb freut sie sich auf interessierten Nachwuchs. In einer aktuellen Initiative werden die vielen Schulen in Deutschland angesprochen, die Comenius im Namen tragen, darunter die Johann-Amos-Comenius-Schule in Herrnhut oder die Zinzendorfschulen in Königsfeld mit ihrem zentralen Comenius-Schulhaus.

 

Erdmann Carstens war von 2024 bis 2025 Schatzmeister der Deutschen Comenius-Gesellschaft.
Benigna Carstens ist Pfarrerin im Ruhestand.

 


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Artikel veröffentlicht am 12. Dezember 2025

 

Artikel veröffentlicht am 12. Dezember 2025