gemeinsam glauben leben - Eröffnung des Welterbe-Infopunkts in Herrnhut

Mit einem stimmungsvollen Festakt und rund 150 Gästen ist am 29. Juni die neue Ausstellung zur Evangelischen Brüder-Unität im Herrnhuter Kirchensaal eröffnet worden. Sie fungiert zugleich als Welterbe-Infopunkt.

Das Geläut des Kirchensaals leitete die Veranstaltung ein, bevor die neue Ausstellung „gemeinsam glauben leben“ offiziell ihrer Bestimmung übergeben wurde. Sie ist Teil des Welterbe-Informationspunktes und lädt Besuchende dazu ein, Geschichte, Gegenwart und den Glauben von uns als Herrnhuter Brüdergemeine kennenzulernen.

Pfarrerin Erdmute Frank begrüßte die Gäste im Namen der Evangelischen Brüder-Unität. Seit rund 300 Jahren werde in Herrnhut gemeinsamer Glaube gelebt – sichtbar in Musik, Kultur, Architektur und den weltweiten Beziehungen der Brüdergemeine. Mit den Worten des Propheten Amos erinnerte sie daran, das Gute zu suchen und das Böse zu meiden – ein Auftrag, der auch heute aktuell sei.

Bürgermeister Willem Riecke hieß die Gäste im Namen der Stadt Herrnhut und aller am Welterbe beteiligten Partner willkommen. Zu den Ehrengästen gehörten unter anderem Ministerpräsident Michael Kretschmer, Staatsminister Conrad Clemens, der Oberlausitzer Landtagsabgeordnete Jens Hentschel-Thöricht sowie Harald Herrmann, Teamleiter UNESCO im Auswärtigen Amt.

Pfarrer Peter Vogt freute sich besonders über die zahlreichen Gäste aus nah und fern, darunter eine Besuchergruppe aus der tschechischen Partnergemeinde Železný Brod sowie zahlreiche Bürger und Bürgerinnen aus Herrnhut. Die Stadt sei ein Ort, der Menschen zusammenbringe und internationale Begegnungen ermögliche.

Christiane Vollprecht, Leiterin der Gästearbeit, stellte gemeinsam mit Martin Theile und Lucas Gebhardt von der Dresdner Gestaltungsfirma „ungestalt“ die neue Ausstellung vor. Sie entstand seit Mai 2024 in enger Zusammenarbeit einer Arbeitsgruppe und greift das Motto „gemeinsam glauben leben“ auf. Im Mittelpunkt stehen nicht nur die Geschichte der Brüdergemeine, sondern auch die Frage, wie Glaube heute gelebt wird. Nun soll die Ausstellung durch Mitarbeitende und Ehrenamtliche mit Leben erfüllt werden.

Pfarrer i. R. Martin Theile erläuterte das Ausstellungskonzept. Die Präsentation richtet sich bewusst an ein breites Publikum – mit zweisprachigen Texten, einfacher Sprache, einer Spielecke für Kinder sowie multimedialen Angeboten. Sie zeigt die Geschichte der mährischen Einwanderer, weltweite Lebensbilder, Musik aus aller Welt und eine Bilderschau von Herrnhuter Kirchen auf allen Kontinenten. Ein neuer Schwerpunkt widmet sich außerdem den Themen „Licht und Schatten“, darunter der Auseinandersetzung mit der Sklaverei in der Karibik und der Zeit des Nationalsozialismus. Das Bekenntnis eigener Schuld und die Bitte um Vergebung gehören ebenfalls dazu.

Andrea Kretschmar, Vorsteherin der Evangelischen Brüdergemeine Herrnhut, eröffnete den Welterbe-Infopunkt offiziell. Sie erinnerte daran, dass die Welt in Herrnhut zu Gast sei und die Ausstellung ein Fenster zur Welt öffne. Geschichte und Gegenwart würden hier miteinander verbunden. Ihr Dank galt Bund und Freistaat Sachsen für Fördermittel in Höhe von rund 1,1 Millionen Euro sowie den vielen Ehrenamtlichen, Förderern und Unterstützern, die das Projekt über Jahre begleitet haben.

Ministerpräsident Michael Kretschmer sprach von seiner persönlichen Verbundenheit mit Herrnhut und würdigte den Weg der Stadt seit der Wiedervereinigung. Das UNESCO-Welterbe eröffne große Chancen – nicht nur für den Tourismus, sondern auch für die wirtschaftliche Entwicklung und den internationalen Austausch. Herrnhut könne mit seinem weltweiten Netzwerk wichtige Impulse für den Dialog über Themen wie Migration oder Klimawandel geben. Der Freistaat werde die weitere Entwicklung der Welterbestätte auch künftig unterstützen.

Harald Herrmann vom Auswärtigen Amt bezeichnete die Herrnhuter Siedlungen als eine einzigartige transkontinentale Welterbestätte, die Deutschland mit den USA verbindet. Gerade in einer Zeit internationaler Spannungen erinnere das Welterbe an den Friedensauftrag der UNESCO. Mit der Aufnahme in die Welterbeliste beginne zugleich die dauerhafte Verpflichtung, dieses Erbe zu bewahren, zu vermitteln und für kommende Generationen lebendig zu halten.

Im Rahmen der Veranstaltung wurde die UNESCO-Urkunde überreicht. Nach dem gemeinsamen Lied „Nun danket alle Gott“ nutzten die Gäste die Gelegenheit zu einem ersten Rundgang durch Ausstellung und Welterbe-Infopunkt. Beim anschließenden Büfett und einem Konzert der Herrnhuter Bläser klang der Festtag in geselliger Atmosphäre aus.

Informationen zur Ausstellung