Mittwoch, 6. Juni

Die Brüdergemeine ist eine singende Kirche. Und auch diese Synode singt gern und viel. Und natürlich in mehreren Sprachen. Jede Sitzung beginnt und endet mit einem Lied. Das Singen verbindet alle Schwestern und Brüder, auch wenn sie unterschiedlicher Meinung sind, kontrovers diskutieren, Emotionen und Positionen aufeinanderprallen. Gerade vor und nach schweren Diskussionen - wie sie der heutige Tag bereithielt - tut es gut zu sehen, wie sich im Gesang und im Gebet einzelner Liedverse das Verbindende und Gemeinsame ausdrückt.

Thomas Walther, Samuel Fink

Das bestimmende Thema des Tages war Antrag 10, der die Theologische Kommission beauftragen will, eine Möglichkeit zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare bis 2014 zu erarbeiten. Bereits im Vorfeld der Synode sorgte dieser Antrag für rege Diskussionen. Die Meinungen reichten von fröhlicher Zustimmung bis zu vehementer Ablehnung. Und dieses Bild zeigte sich auch heute in der Debatte. Dabei ist es keineswegs so, dass die unterschiedlichen Positionen an Länder, Regionen oder Lebensalter festgemacht werden können. Der Meinungsriss geht durch unsere ganze Provinz. Das ist eine Erkenntnis, die für viele, die in der Rücksichtnahme auf Standpunkte in der weltweiten Unität (vor allem in Ostafrika) das bisherige Haupthindernis sahen, ernüchternd ist.

Blick ins Plenum im Königsfelder Kirchensaal

Die Diskussion ging oft über den reinen Antragstext hinaus. Die Intention des durchaus zurückhaltend formulierten Antrages ist es ja nicht, eine grundsätzliche Haltung zur Homosexualität festzuschreiben. Es soll lediglich ein Arbeitsauftrag an die Theologische Kommission gegeben werden, über dessen Ergebnis die Synode in zwei Jahren sprechen soll. Dennoch ging es in der Mehrzahl der Statements immer wieder um die grundsätzliche Frage der Akzeptanz gleichgeschlechtlichen Lebens. Die Debatte wurde fair und offen, mit vielen Emotionen und bebenden Stimmen, mit wohl formulierten und spontanen Sätzen - aber in der Sache sehr widersprechend geführt. Es ist und bleibt ein brisantes Thema, für das es keine schnelle Lösung gibt. Mehr als 23 Synodale haben sich zu Wort gemeldet, es war die längste Rednerliste bisher.

Georgine Bent-Wijsman, Lorette Anders

Es war gut und richtig, dass die Synode sich ausreichend Zeit für diese Debatte nahm. Aber ob diese Synode schon der richtige Zeitpunkt ist, über den Antrag in dieser Form zu entscheiden, bleibt abzuwarten. Es ist jedenfalls ein Gesprächsprozess in Gang gekommen, und das ist wichtig: miteinander reden, aufeinander hören, zueinander finden.

Liturgisches Abendgebet mit der Gemeinde Königsfeld
Friederike Kronbach-Haas, Dorothea Weller