Schwesternseminar 2018 auf dem Herrnhaag

EVA

Feigen, Datteln, Trauben und andere orientalische Früchte auf der einen Seite der Kreismitte. Lehmklumpen, Erdreich, Wurzelwerk, Federn auf der anderen. Drumherum fünfzehn deutschlandweit angereiste Schwestern, die sich für ein »paradiesisches« Septemberwochenende auf dem Herrnhaag zum jährlichen Schwesternseminar trafen.

EVA - Urmutter, Erkennende und Verführerin? Welches Bild Evas prägte uns? Vier Gruppen stellten dazu ihre Gedanken dar, pantomimisch, als Statue, als Sketch, Loriot gemäß auf dem grünen Sofa. Köstlich und originell!

Spannend und lehrreich waren Katharina Rühes Streifzüge in die kunstgeschichtliche Historie - Eva in der Kunst - sowie in die Übersetzungen von Rosenzweig und Buber und die Auslegung der jüdischen Religionswissenschaftlerin Ruth Lapide und deren Gedankenwelt. Gott entlässt nicht ohne Schmerz nach dem Gebotsübertritt und dem Erkenntnisgewinn Eva und Adam in das Erwachsenwerden.

Erwählt, voller Reiz und Sinnlichkeit, verklärt, voller Wehmut, voller Schmerz, doch kein Gegenpol Marias, mutig, hoffnungsvoll, zerrissen, erkennend, gleichberechtigt, Seite an Seite, Urmutter des Lebens...

In Katharinas, Dörtes und Christines Workshops am Nachmittag setzten wir unsere Gedanken kreativ um, versetzten uns im Bibliodrama in Evas, Adams und Gottes Gemütslage, bauten Paradiesgärtlein oder fanden auf dem Weg zum Fischteich bunte Blumen, Blätter und reife Früchte (trotz der anhaltenden Dürre), in denen, zu Sträußen gebunden, schließlich an Eva formulierte Briefe steckten.

Viele Hände zauberten ein paradiesisches Abendbrot. Ehrfurchtsvoll und schweigend saßen wir an einer überberstenden Tafel voller Köstlichkeiten, hörten die Schöpfungsgeschichte - das Oratorium von Joseph Haydn - und aßen so viel Obst wie noch nie. Bei Vollmond in Decken gehüllt, am Lagerfeuer Lieder singend ließen wir den Tag ausklingen.

Zum Gottesdienst trafen wir uns am Sonntagmorgen zuerst im Chorraum, um dann aber gleich zu einem meditativen Gang rund um die Lichtenburg aufzubrechen. Jede für sich. Schweigend. Hörend. Schauend. Riechend. Wahrnehmend. Die Schöpfung Gottes.

Ein Wechsel - ob Blickwinkel - Reifestadion - Lebensabschnitt - Epoche - bringt neue Erkenntnis. Neue Wege, neue Möglichkeiten, neuen Mut. Nimm den Umbruch wahr als weitere Chance.

Großen Dank dem Vorbereitungsteam - sowie unserem einzigen Adam, einem kochfreudigen Bruder aus Frankfurt, der uns mittags zu schmackhafter Linsensuppe und würzig duftendem Curryreis verführte. Feedback: Phantastisch! Warum nicht länger? Das nächste Thema wird sein: »Übergänge im Leben«. Jedem Anfang liegt ein Zauber inne - Von Abschieden und Neuanfängen.

Margit Lessing, Neuwied