600 Jahre Konzil in Konstanz

Am 3. Juli 2014 gab die Deutsche Post eine Briefmarke zum Konstanzer Konzil heraus

Kaum ein Ereignis hat die Fantasie der Zeitgenossen so sehr beschäftigt, wie das Konzil von Konstanz. Von 1414 bis 1418 dauerte der größte Kongress des späten Mittelalters, der das Abendländische Schisma - die Kirchenspaltung - beenden sollte. Zum ersten und einzigen Male wurde auf deutschem Boden ein Papst gewählt. Die damals etwa 7000 Einwohner zählende Stadt am Bodensee beherbergte im Schnitt etwa 20 000 Gäste gleichzeitig, insgesamt rund 60 000 Gäste aus dem In- und Ausland, darunter den deutschen König Sigismund und den Kleriker Baldassare Cossa, der als Gegenpapst Johannes XXIII. in die Geschichte einging - nicht zu verwechseln mit Angelo Giuseppe Roncalli (1881-1963), der 2014 als Papst Johannes XXIII. heilig gesprochen wurde. Konstanz war vor 600 Jahren der Nabel der Weltpolitik.

Der böhmische Prediger Jan Hus hatte in Prag seit 1402 in seinen auf Tschechisch gehaltenen Predigten u.a. den Luxus des hohen Klerus und den weltlichen Besitz der Kirche angeprangert. Er kritisierte den Ablasshandel und trat für den »Laienkelch« ein, das Trinken des Abendmahl-Weines durch nicht zum Klerus zählende Gläubige. Um seine Ansichten zu verteidigen, lud ihn das Konzil nach Konstanz ein. König Sigismund sicherte ihm freies Geleit zu. Das im Konstanzer Münster versammelte Konzil verurteilte ihn aber als Ketzer zum Tode. Am 6. Juli 1415 wurde Hus auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Das löste die Tschechische Reformation aus, aus der später u.a. die Alte Brüder-Unität hervorging.

Die Hoffnungen von Johannes XXIII., als alleiniger Papst anerkannt zu werden, zerschlugen sich. Stattdessen setzte die Mehrheit des Konzils durch, dass nicht nur die beiden Gegenpäpste, sondern auch er zurücktreten müsse. Somit war der Weg frei für die Neuwahl eines allgemein anerkannten Kirchenoberhauptes.