Dienstag, 3. Februar 2015

Herrnhut erinnert sich an Richard v. Weizsäcker

Gern erinnert sich die Brüdergemeine an den Besuch des damaligen Bundespräsidenten Richard v. Weizsäcker in der ersten Adventszeit nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 in Herrnhut. Für die Evangelische Brüder-Unität - Herrnhuter Brüdergemeine, die historisch und organisatorisch eins war, als Folge des Zweiten Weltkrieges aber getrennt in zwei Distrikten (Ost und West) zu leben lernen musste, war v. Weizsäcker als evangelischer Christ und langjähriger Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentages mit seiner hohen Glaubwürdigkeit in der Bevölkerung auch eine Grenzen überwindende Autorität. Ganz besonders seit seiner historischen Rede 1984. Dass der 8. Mai 1945 auch für Deutschland ein Tag der Befreiung war, war für manche in der Brüdergemeine (besonders im Westen) eine neue Sicht, für viele (besonders im Osten) auf eine neue Weise gesagt, die die DDR-amtliche Interpretation überwinden half.

Richard von Weizsäcker hat im Dezember 1990 auch das »Förderungszentrum« besucht, eine diakonische Einrichtung, die sich seither kontinuierlich weiterentwickelt hat und unter dem Namen »Stiftung Herrnhuter Diakonie« inzwischen eine feste Größe in Herrnhut und in der Region ist. Die Evangelische Brüder-Unität wird das Vermächtnis des nun verstorbenen Richard v. Weizsäcker lebendig halten. Seine Bitte an die jungen Menschen ist hochaktuell: »Lassen Sie sich nicht hineintreiben in Feindschaft und Hass gegen andere Menschen, gegen Russen oder Amerikaner, gegen Juden oder gegen Türken, gegen Alternative oder gegen Konservative, gegen Schwarz oder gegen Weiß. Lernen Sie miteinander zu leben und nicht gegeneinander.«