Mittwoch, 9. Juli 2014

10. Juli 2014 – Einweihung des neuen Beruflichen Förderzentrums auf dem Sternberg

Am 10. Juli 2014 wird auf dem Gelände des »Star Mountain Rehabilitation Centers« (Sternberg) bei Ramallah in Palästina das neue Berufliche Förderzentrum eingeweiht. Bei dem dreigeschossigen, an einem Hang gelegenen Förderzentrum, zu dem auch eine kleine Werkstatt für Behinderte im Untergeschoss sowie ein moderner Gäste- bzw. Tagungsbereich im Dachgeschoss gehört, handelt es sich um einen kompletten Neubau, der insgesamt 470.000 Euro kostete. Der Vorgängerbau - ein Provisorium aus dem Jahre 1959, war baufällig und nach einer Rattenplage im Sommer 2011 unbrauchbar geworden, was dessen Abriss nach sich zog.

Die Neubaupläne konnten vor allem deshalb ab 2013 realisiert werden, weil die japanische Vertretung in den Palästinensischen Autonomiegebieten frühzeitig ihre Unterstützung zugesagt hatte. Letztlich förderte der japanische Staat den Neubau mit 123.065 US-Dollar (etwa 91.000 Euro). Der Botschafter Japans in Palästina, Junya Matsuura, versprach, an der Eröffnungsfeier teilzunehmen. Die restliche Bausumme brachten Spenderinnen und Spender der »Losungsspende«, der »Herrnhuter Missionshilfe« und anderer Hilfsorganisationen in Deutschland (Brot für die Welt - Evangelischer Entwicklungsdienst), Österreich (Diakonie Österreich), der Schweiz und der weltweiten Brüder-Unität auf.

Zur Einweihungsfeier werden die auf dem Sternberg geförderten Kinder und Jugendlichen mitsamt ihren Familienangehörigen erwartet, die dafür extra ihre Sommerferien unterbrechen. Außerdem haben prominente Palästinenserinnen und Palästinenser aus vielen gesellschaftlichen Bereichen sowie Delegierte befreundeter Einrichtungen ihr Kommen zugesagt. Es besteht die Hoffnung, dass auch Wolfgang Schmidt, der Probst der Jerusalemer Erlöserkirche, zum Sternberg kommt. In der von Ghada Naser, der Direktorin des Sternbergs, einer christlichen Palästinenserin, unterzeichneten Einladung hieß es: »Ihre Anwesenheit bedeutet eine große Stärkung und Unterstützung für die Menschen mit geistiger Behinderung in Palästina«.

Bei der Einweihungsfeier wird ein ausführliches Grußwort von Frieder Vollprecht, Mitglied der Direktion der Europäisch-Festländischen Unitätsprovinz und Vorsitzender der Herrnhuter Missionshilfe, zur Verlesung kommen. Darin wird allen denen von Herzen gedankt, die unmittelbar am Bau beteiligt waren, sich für diesen Bau organisatorisch und finanziell engagiert und wegen dieses Baues zusätzliche Belastungen auf sich genommen haben. Das Grußwort würdigt nicht nur das professionelle Engagement der derzeitige Mitarbeiterschaft des Sternbergs unter Führung von Ghada Naser, sondern auch die Leistungen aller derjenigen - Menschen aus Deutschland, der Schweiz und Palästina, die den Sternberg im Laufe von 30 Jahren zu einem Förderzentrum gemacht haben, das in der palästinensischen Gesellschaft viel Vertrauen und auch im Ausland hohe Wertschätzung genießt. Namentlich genannt wird u.a. Rawda Marouf, die 1998 als erste Palästinenserin die Gesamtleitung des Sternbergs übernahm.

In dem Neubau sollen mindestens 30 Jugendliche mit Behinderungen, die aus einem Umkreis von 10 bis 15 Kilometern auf den Sternberg kommen, ein mehrjähriges berufsspezifisches Trainingsprogramm absolvieren, um dann ggf. in die Werkstatt für Behinderte oder - im günstigsten Falle - in ein festes Beschäftigungsverhältnis überzuwechseln. Solch ein Wechsel gelang Jugendlichen in den vergangenen Jahren mehrmals. Das Training umfasst Tätigkeiten im Gartenbau, in der Land- und Forstwirtschaft, im hauswirtschaftlichen und kunsthandwerklichen Bereich sowie bei der Herstellung verschiedener Produkte, u.a. Olivenseife, Recycling-Papier und Buchhüllen.

Die berufliche Förderung, begonnen 1997, ist nur ein Bereich der Förderarbeit auf dem Sternberg, die aktuell etwa 190 palästinensische Kinder und Jugendliche erreicht und in der etwa 35 Mitarbeitende beschäftigt sind, zwei Drittel gehören der muslimischen Glaubensgemeinschaft an, ein Drittel verschiedenen christlichen Glaubensgemeinschaften. Weitere Bereiche der Förderarbeit sind der integrative, internationale und interreligiöse Kindergarten, die Förderschule, das »Community Work Programm« (ambulante Dorfarbeit) sowie die Arbeit mit autistischen Kindern. Quer durch alle diese Bereiche wird den Kindern und Jugendlichen mit Behinderung Physiotherapie, Sprechtherapie, Kunsterziehung, Musik und Sport angeboten. Für alle Jugendlichen sowie für Eltern und Angehörige existieren diverse Gesprächsgruppen, die u.a. dazu dienen, Benachteiligungen und den Missbrauch von Menschen mit Behinderungen zu entdecken. Eine wesentliche Aufgabe sehen die Mitarbeitenden des Sternbergs auch in der politischen Lobbyarbeit zugunsten von Menschen mit Behinderungen.

Die Förderarbeit auf dem Sternberg geschieht in Trägerschaft der weltweiten Brüder-Unität, einer Gemeinschaft von derzeit 22 Unitäts- sowie sechs Missionsprovinzen auf fünf Kontinenten. Sie begann in den Jahren nach 1981, als die Vorgängerarbeit, eine Arbeit zugunsten von Leprösen, infolge des medizinischen Fortschritts aufgegeben werden konnte. Die weltweite Brüder-Unität betraute die Europäisch-Festländische Unitätsprovinz mit der Verantwortung für den Sternberg, die wiederum die Geschäftsführung an die »Herrnhuter Missionshilfe« delegierte.

Herrnhut, 9. Juli 2014
Andreas Tasche

PS: Die Einweihung des neuen Beruflichen Förderzentrums auf dem Sternberg morgen, am 10. Juli 2014, steht unter dem Vorbehalt, dass die gegenwärtige politische Situation einen solchen Festakt zulässt. In einer E-Mail vom Vormittag des 9. Juli 2014 schreibt Ghada Naser, die Direktorin der Einrichtung: »Wir sind sehr besorgt und verfolgen ständig die Nachrichten. Wir befürchten, dass etwas geschehen könnte, was uns die Durchführung des Festaktes verbietet. Die Lage ist bedrohlich. Nachts durchstreifen Soldaten und militante Siedler unser Land, vor allem die Gebiete um das Flüchtlingscamp Al-Jalazon und um Ramallah. Diese schießen um sich, verhaften Menschen und zerstören Eigentum. Tagsüber sind sie dann wieder verschwunden. Wir wissen nicht, wie es weitergeht. Palästina durchlebt derzeit wieder eine sehr schwere Zeit. Angst und Unsicherheit prägen unser Berufs- und Familienleben. Vielleicht könnt ihr euch vorstellen, was wir durchmachen.

Internet:
www.herrnhuter-missionshilfe.de
www.starmountain.org

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